loyalbushie

Forum Deutscher Katholiken: Endlich Klartext!

In Gesellschaft, Religion on September 12, 2009 at 6:35 pm

Je mehr die Erinnerung an die Gräuel atheistischer Regime im 20. Jahrhundert verblasst, umso stärker erheben ihre Anhänger wieder ihr Haupt und beginnen auch in unserem Lande wieder, anders Denkenden Aggressivität und Intoleranz entgegenzubringen. Die Hetze und die Ausschreitungen gegen christliche Veranstaltungen wie das „Christival“ oder den „Marburger Kongress“ liegen noch nicht weit zurück. Im Schulwesen wird der humanistische Konformitätsdruck Christen gegenüber stetig größer, in Berlin wurde von einer linksradikalen Stadtregierung öffentlichen Schulen die Wahlfreiheit zwischen Ethik- und Religionsunterricht zugunsten eines zwangsweisen Ethikunterrichts abgeschafft, vor einigen Monaten wurde eine Familie, die aus Glaubensgründen ihre Kinder zu Hause unterrichten wollte, in die USA vertrieben.

Gläubige Christen sind jedoch mittlerweile nicht mehr die einzigen, die ob ihres Beharrens auf ihrem Recht auf Religionsfreiheit immer stärkere Benachteiligungen und Anfeindungen zu ertragen haben.  

Waren Fremdenhass und Rassismus bis vor wenigen Jahren noch ein gesellschaftliches Tabu, sprießen heute Menschen verachtende und hetzerische Blogs und Initiativen wie Pilze aus dem Boden, die Angst vor Muslimen und Hass gegen Zuwanderer aus dem islamischen Kulturkreis schüren. Der aus antiislamischen und rassistischen Beweggründen heraus begangene Mord an einer zweifachen Mutter in einem Dresdener Gerichtssaal im Sommer dieses Jahres steht sinnbildlich für ein zunehmend feindseliges Klima, dem praktizierende Muslime in unserem Land und generell in Europa ausgesetzt sind.

Es ist bestürzend, dass auch viele Christen auf diesen Zug aufspringen, teils aus realer Angst vor dem Islam auf Grund tatsächlich vorhandener Missstände in mehrheitlich islamischen Ländern, unter denen Christen zu leiden haben, teils aber auch aus irrationalen Beweggründen und in der Hoffnung, vom neuen Atheismus verschont zu werden oder nachsichtigere Behandlung zu erfahren.

B-B02xx

Eine wie ich finde längst überfällige Resolution, die sich Christen aller Konfessionen zu Herzen nehmen sollten, hat nun das Forum Deutscher Katholiken verfasst. Ich möchte sie hier ungekürzt wiedergeben, weil ich denke, dass dieser nicht viel hinzuzufügen ist:

„Der sich ausbreitende Islam in Westeuropa ist für uns Christen hierzulande eine gewaltige Herausforderung und positive Provokation, um uns auf unsere Ursprünge und unseren eigenen Glauben zu besinnen. In vielen islamischen Ländern stellt die zunehmende Radikalisierung des Islam dagegen eine existenzielle Bedrohung der Christen dar.

Daher müssen wir in einen Dialog treten und auf die Muslime zugehen. Anstelle eines medienwirksam inszenierten Dialogs müssen wir in ein Gespräch auf menschlicher Ebene eintreten. Für jeden wahrhaftigen Dialog ist der Respekt der Gesprächspartner voreinander und eine recht verstandene Toleranz eine unbedingte Voraussetzung. Es ist ein biblisches Gebot, Fremde zu schützen, gleich welchen Glaubens sie sind. Daher unterstützen wir auch das Recht auf freie Religionsausübung der Muslime in unseren Ländern.

Wir dürfen nicht Ängste schüren, sondern müssen vielmehr Bereitschaft zum gegenseitigen Verständnis aufbringen. Das heißt freilich nicht, alle Verschiedenheiten für unwesentlich zu erklären und alle Unterschiede zu verharmlosen. Muslime haben das Recht, echte Christen kennen zu lernen. Ein daraus erwachsender Dialog mit den Muslimen ist ein Instrument, das uns helfen kann, aus der endlosen Spirale der Spannungen herauszukommen.

Wenn sich hinter der Toleranz gegenüber dem Islam aber Gleichgültigkeit, Bequemlichkeit oder Furcht verstecken, stärken wir die falschen Kräfte in der vielschichtigen islamischen Bewegung. Die Muslime müssen es ertragen, dass sie selber kritisch hinterfragt werden, wie ja auch sie das Christentum und die westliche Liberalität kritisieren dürfen.

Ganz entschieden müssen wir die Glaubensfreiheit für unsere bedrängten Mitchristen in islamischen Ländern einfordern. Hierzu gehört das Recht auf Religionsfreiheit im Sinne des Artikels 18 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ mit Recht auf uneingeschränkten Religionswechsel und öffentliche Religionsausübung. Bedrohte Konvertiten aus dem Islam müssen vor Abschiebung bewahrt werden.

Die Versammlung stellt sich hinter die Texte des Vatikanum II zum Islam. Im Umgang mit den Muslimen sollten wir dabei den Weg der letzten Päpste nachahmen: niemals beleidigen, doch immer wieder auch die ernsten Themen ansprechen und einfordern: keine Gewalt, Achtung vor der Würde des Anderen und Respekt vor seiner Freiheit. Denn Gewalt kann niemals einen religiösen Beweggrund haben, weil sie das Ebenbild Gottes im Menschen verletzt.

Benedikt XVI. sagte am 9. Mai 2009 bei einem Moscheebesuch in Amman: „Und wir werden daran erinnert, dass unsere gemeinsame menschliche Würde es ist, welche die allgemeinen Menschenrechte begründet, die für jeden Mann und jede Frau in gleicher Weise gelten, unabhängig von religiöser, sozialer oder ethnischer Zugehörigkeit.“

Nicht die Stärke des Islam ist die gefährlichste Bedrohung Europas, sondern die systematische Verdrängung des christlichen Glaubens aus der Politik und dem öffentlichen Leben, die zu einer geistigen Immunschwäche Europas führt. Im Kampf gegen die „Kultur des Todes“ (internationale Geburtenkontrolle, Abtreibung, Gender -Ideologie) sind die Muslime unsere natürlichen Verbündeten. So müssen sich Christen und Muslime gemeinsam den zahlreichen Herausforderungen stellen, die eine gottferne Zeit uns aufgibt.

Nur wenn wir eindeutig zur Wahrheit unseres Glaubens stehen, können wir den Dialog mit dem Islam führen und auch dem Aufruf Christi gerecht werden, allen Menschen – also auch den Muslimen – die frohe Botschaft zu predigen und die große Karfreitagsbitte zu wiederholen: „Allmächtiger, ewiger Gott, steh allen bei, die sich nicht zu Christus bekennen, dass sie die Wahrheit finden.“

  1. Guten Morgen,
    da bin ich ja fast mit dem Papst einig, abgesehen natürlich vom Schluss, in dem es wieder um die Mission geht. Da hört es natürlich mit dem Dialog auf, bzw. ist er falsch verstanden, wenn es letzten Endes doch wieder um Bekehrung geht.
    Darüber waren ja auch die Juden empört, als die alte Variante der Karfreitagsfürbitte wieder eingeführt wurde.

    Dialog – so hat es der katholische Prof. Kuschel formuliert-
    heißt nicht, nur die beiderseitigen Überzeugungen gegenüberzustellen, sondern den Versuch, sich tatsächlich in den anderen einzudenken und zu -fühlen.

    Das ist schon eine ziemliche Herausforderung, weil man sich dabei mit allen seinen Ängsten und Vorurteilen gut selbst im Wege stehen kann.

    Der Islam gewährt ja Religionsfreiheit, auch die Freiheit zu konvertieren (mag Länder geben, die das anders sehen, der Iran gehört nicht dazu), aber dass man aggressiv versucht zu missionieren, das ist nicht erlaubt – denn aus unserer Sicht ist eben der Islam die beste Art Gott zu dienen. Und wir haben unsere Art Jesus, Friede sei mit ihm, zu würdigen und schätzen ihn sehr, wie alle Propheten.

    Da ist wohl eines der größten Probleme von Christen in islamischen Ländern, dass das Christentum den Auftrag erteilt, zu missionieren.

    Ich finde ja immer noch, dass das „Wetteifern in guten Taten“ das beste Mittel ist, seine Gottesehrfurcht zu zeigen.
    ——–

    Gegen Moscheebau hab ich natürlich gar nichts, wobei nicht jede Moschee im osmanischen Stil sein muss (ich mag den aber trotzdem). Dass nun der türkische Staat das Bedürfnis hat, hier seine Macht zu demonstrieren, halte ich allerdings für unsinnig. Man wird aber Türken kaum klar machen können, was es für einen Grund geben soll, bei ihrer großen Anzahl in Deutschland, ihnen schöne Gebetsplätze zu verwehren.

    Und obwohl Muslime sehr spendenfreudig sind, reicht das Geld oft nicht für den Bau von Moscheen und ihren Betrieb und die Unterhaltung. Würde es gute Ausbildung von Imamen in D geben, bräuchte man aber nicht immer welche aus der TR importieren, die nur kurz bleiben und kein Deutsch können.

    Es ist aber auch ein Versäumnis von uns Muslimen, dass wir so uneinig sind, dass wir es wohl noch lange nicht zu einer „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ bringen und somit D uns fördert.

    Bis dahin wird es wohl bei der Entwicklungshilfe aus der TR (und aus Iran und Irak und Saudi-Arabien) bleiben.

    Ich finde es sehr spannend, wie unterschiedlich auch in diesem Bereich die Sichtweisen sind. Alles Länder (von SA mal abgesehen), die aus klassisch deutscher Sicht Entwicklungshilfe benötigen. Aber die Geistlichen dort sehen das ganz anders und unterstützen die Muslime hier und sammeln Geld für uns. Da trägt die deutsche Muslima doch gleich die Nase weniger hoch.

    Grüße von Meryem

  2. Grüß Gott,
    dass es aus religiösen Gründen Probleme gibt in der TR Kirchen zu bauen, ist ein Gerücht. Vielmehr ist das seit einigen Jahren durch eine Gesetzesänderung der AKP-Regierung durchaus möglich, die Schwierigkeiten resultieren aus bürokratischen Hindernissen vieler Jahrzehnte säkularer Politik, aus den ungeklärten Rechtsformen religiöser Gemeinden und betreffen islamische Gemeinschaften genaus so. Wobei es sein kann, dass bei diesen eher mal über Verstöße hinweggesehen wird, das will ich gar nicht abstreiten. Aber das türkische System hat eben viele religionsfeindliche Anteile und das ändert sich erst langsam.
    Ob es schwieriger ist, dort eine Kirche zu bauen, als hier eine Moschee, jedenfalls nicht im Gewerbegebiet, wage ich zu bezweifeln.
    Ansonsten gibt es hier wie dort reichlich Menschen mit undifferenzierte Vorurteilen, aber das kann man dann den Staat nicht zum Vorwurf machen. Und jedenfalls die offizielle Haltung der DITIB ist eine der Gleichwertigkeit der Buchreligionen als Weg zu Allah. So wird es auch unterrichtet.

    Ob es in Kindergärten tatsächlich solche Probleme gibt? Ich kenne jedenfalls keine einigermaßen gebildete muslimische Familie, die sich darüber aufregt. Allerdings ist es schön, wenn bei einer großen Anzahl muslimischer Kinder auch unsere Feste berücksichtigt würden. Da könnte man auch die Mütter einspannen und dadurch für mehr Kommunikation sorgen. Im Kindergarten meines Sohnes ist das schon vor 25 Jahren möglich gewesen (und da war ich noch weit vom Islam entfernt und fand es trotzdem sehr interessant).
    Der heilige Nikolaus ist ja immerhin auch ein Türke.

    Dass man aber den Kindern dann die Unterschiede erklärt und sie bestimmte Dinge nicht mitmachen, das muss dann auch klar sein.
    Ich gehe auch mit den kleinen Kindern meiner Freundinnen in Kirchen und erkläre ihnen, was die Christen von den Muslimen unterscheidet. Gerade in katholischen Kirchen in denen die Marienverehrung soviel Platz einnimmt, kann man viel über die unterschiedliche Betrachtung von Maria, a.s., erzählen. Ich hatte aber auch neulich das Erlebnis, dass die Kinder wegen einer sehr erschreckenden Kruzifixdarstellung ganz schnell wieder rauswollten. Sonst ist es aber auch oft ganz lustig, wenn sie sich über die harten Holzbänke wundern und warum man in der Kirche nicht auf Teppichen sitzt und betet.

    Ansonsten habe ich meine Zweifel am „abendländischen“ Kulturkreis – es haben immer unterschiedliche Kulturen jeglichen Kulturkreis beeinflusst, denn immer hat es Völkerwanderungen gegeben. Und momentan nehmen nun mal die Einflüsse „morgenländischer“ Menschen zu. Man kann ihnen kaum zum Vorwurf machen, dass die „Abendländer“ sich nicht fortpflanzen. Also wird sich zwangsläufig hier mehr und mehr verändern und es werden eben auch die Themen in öffentlichen Diskussionen mehr Raum einnehmen, die große Teile interessieren.
    Das heißt ja nicht, dass man hinnehmen soll, wenn in der Tat geltendes Recht verletzt wird.
    Nur kann man nicht so tun, als gäbe es keine Einwanderung und man müsse sich nicht darum bemühen, dass das Zusammenleben funktioniert. Das gilt natürlich für alle Seiten. Allerdings haben wir hier in den meisten Fällen die größeren Möglichkeiten, die Infrastruktur, Schulen, Gesetze entsprechend zu gestalten und dadurch ein Angebot zu machen. In dieser Hinsicht ist seit Jahrzehnten ganz viel versäumt worden, weil man immer tat, als würden die Einwanderer irgendwann wieder verschwinden. Tun sie aber nicht, im Gegenteil, sie bekommen Kinder, lernen, studieren, arbeiten, kaufen Häuser, eröffnen Geschäfte und erwerben die deutsche Staatsangehörigkeit. Gehören dazu.
    Sie müssen mitwirken an der Gestaltung des Staates und wir müssen in der Hinsicht Möglichkeiten bieten.

    Menschen wie ich, die Deutsche sind und bleiben, sich aber zum Islam bekennen (und meinetwegen auch zu anderen Religionen) sind in beiden Welten zu Hause, aber oft auch in beiden fremd. Merkwürdig dass die Menschheit, die Jahrtausende mit solchen Veränderungen lebt, sich damit immer noch so schwertut.

    Im Koran heißt es: „Ich habe Euch zu Völkern und Stämmen geschaffen, damit Ihr einander kennenlernt“ – wir verweigern uns da eher.

    Grüße von Meryem

  3. Der Hl. Nikolaus war Türke?

    Das erinnert mich an eine Reise ins heutige Polen und ein Kopernikus-Denkmal, das ich dort gesehen habe. Kopernikus wurde auf einer Rafel am Denkmal als „Pole“ bezeichnet…

    Nein, hier muss ich als historisch bewanderter Mensch widersprechen.

    Der Hl. Nikolaus wurde in Patara geboren. Er trug einen griechischen Namen. Er war Bischof von Myra, der Hauptstadt Lykien in Kleinasien und lebte dort um 300 n. Chr., also zu einer Zeit, in der diese Region noch nicht von Türken besiedelt wurde. Lykien gehörte damals zum Römischen Reich, später zu Byzanz.

    Die aus Zentralasien stammenden Türken / Seldschuken besiedelten Kleinasien erst ab dem 11. Jahrhundert. Myra wurde dann zu Demre im Osmanischen Reich bzw. in der späteren Türkei.

    Homer war doch auch kein Türke, weil er in Smyrna geboren wurde, was später zu Izmir wurde. Und der Königsberger Immanuel Kant war kein Russe, auch wenn seine Geburtsstadt heute Kaliningrad heißt und zu Russland gehört.

    Was die Massenzuwanderung betrifft, so möchte ich darauf verweisen, dass ich jener kritisch gegenüber stehe, seit ich ein politisches Bewusstsein entwickelt habe. Und leider tritt genau das, wovor Zuwanderungskritiker wie Prof. Hepp et al. schon vor vielen Jahren gewarnt haben, jetzt ein. Ich gehöre nach wie vor nicht zu jenen, welche die verfehlte Zuwanderungs- und Integrationspolitik, die von den verantwortlichen Politikern der Bundesrepublik in den vergangenen Jahrzehnten eingeschlagen wurde, einfach so hinnehmen und sich mit den daraus resultierenden Konsequenzen abfinden. Ich nehme stattdessen mein Recht wahr, mich politisch für alternative Wege zu engagieren.

  4. Na heute wär der Nikolausi aber Türke – ist auch durchaus geschätzt in der TR.

    Ja und was sollten die politisch alternativen Wege sein bitte?
    Es ist eine demographische Tatsache dass der Wandel in Europa nicht aufzuhalten ist, in wenigen Jahren wird der Islam hier die vorherrschende Religion sein, falls nicht die Mehrheit der Muslime so säkularisiert wird, wie die Mehrheit der angeblichen Christen hier.

    Gar nichts Schlimmes übrigens, für Menschen mit einem jüdisch-christlich-muslimischem Wertesystem, die kommen nämlich ganz gut miteinander aus, sofern sie gebildet genug sind, über die anderen Religionen Bescheid zu wissen. Daran muss gearbeitet werden, denn verschwinden werden wir nicht.

    Es sei denn man will zu gewissen „bewährten“ Methoden greifen, was Gott und unser einigermaßen stabiles demokratisches System hoffentlich verhüten werden.

    Menschen die derartig unbeweglich und feindselig gegenüber Veränderungen eingestellt sind, geben jedenfalls kein gutes Beispiel für die angeblich überlegene westliche Kultur ab. Die Welt ist nun mal in Bewegung, Gott sei Dank.

  5. Da komm ich nach einem schönen Tag mit meinem Söhnchen zurück an meinen PC und was sehe ich? Ein neuer Besucherrekord (obwohl ich heute keine Schleichwerbung machen konnte😉 ) und jede Menge neuer Kommentare und Debatten – Menschen aus unterschiedlichsten weltanschaulichen Lagern lesen und kommentieren hier und trotzdem fair und auf hohem Niveau… das freut mich so richtig dolle!

    Meryem hat wie ich finde etwas ganz Wichtiges gesagt: „Dialog – so hat es der katholische Prof. Kuschel formuliert – heißt nicht, nur die beiderseitigen Überzeugungen gegenüberzustellen, sondern den Versuch, sich tatsächlich in den anderen einzudenken und zu -fühlen“.

    Und das ist es tatsächlich, woran alles krankt… es wird oft nicht einmal der Versuch gemacht.

    Das mit der Mission ist so eine Sache… wenn der Papst das nicht sagt, kann er den ganzen Laden eigentlich gleich dichtmachen, denn die Bibel erteilt Christen hierzu einen unmissverständlichen Auftrag. Tatsächlich betrieben wird sie allerdings fast nur von evangelikalen Christen. Die Katholische Kirche ist ein Paradebeispiel für traditionales Christentum. Die meisten sind drin, weil es die Eltern und Großeltern auch schon waren, gerade in den satten westlichen Staaten sind die meisten Katholiken kaum wirklich gläübig und es wird – wie zB in der berüchtigten Diözese Linz – die eigene Privatmeinung über das offizielle Lehramt gesetzt. Missionswerke der Katholischen Kirche oder der Evangelischen Landeskirchen (die meist nicht mal mehr traditional, geschweige denn evangelikal, sondern einfach nur liberal sind und sich fast schon bei aller Welt entschuldigen dafür, dass sie Christen sind) gibt es zwar, aber die sind in aller Regel primär karitativ unterwegs.

    Möglicherweise wäre die Bereitschaft, sich in den jeweils anderen hineinzudenken, sogar noch größer, wenn die christliche Tradition hier noch intakt wäre. Aber ich habe den Eindruck, dass die gläubigen und praktizierenden Muslime in Europa auch an das schlechte Gewissen vieler Christen rühren, nämlich weil den meisten Christen ihre religiösen Wurzeln egal geworden sind und sie sie dem Zeitgeist geopfert haben. Und jetzt sollen die Muslime das ihrer Meinung nach eben gefälligst auch tun, damit Ruhe herrscht…

    Ich kann mich so gut in zuehlke reinversetzen. Er ist wie ich in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der man allenthalben gehört hat, dass es böse wäre, ein positives Verhältnis zu seinem eigenen Land zu haben, dass man für moralische Werte nicht mehr einstehen darf, weil man sonst ein böser Spießer ist und außerdem rechtsradikal und was sonst noch. Da gab es Politiker, die sagten, es wäre ihnen egal, wenn Deutschland vor die Hunde geht und die Deutschen aussterben, dann holen wir eben Zuwanderer rein, und Medien, die ins gleiche Horn stießen. Ich denke, dass gerade davon dieser ganze Hass kommt und die Einigelung und dieses Unvermögen vieler, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Wem es ausgetrieben wurde, das eigene zu schätzen und zu respektieren, wird auch nicht das Anliegen der anderen, eben zB der Zuwanderer, nachvollziehen können, geschätzt und respektiert werden zu wollen.

    Aber an der deutschen Misere nicht nicht Zuwanderer schuld, sondern die verwöhnten Wohlstandsbälger aus der 68er-Generation, von denen sich die Leute nach wie vor auf der Nase rumtanzen lassen.

    Nehmen wir mal an, es würde dem Willen dieses verhetzten und hasserfüllten Pöbels aus dem PI- oder gesamtrechts-Kommentarbereich Genüge getan werden und es würde keine Nichtdeutschen oder Muslime mehr in Deutschland geben. Würde sich an der gesellschaftlichen Situation – Werteverfall, Selbsthass, Ellenbogenkultur, asoziales Verhalten, Nihilismus etc. – auch nur irgendetwas ändern? Nichts würde sich daran ändern. Man sieht also: Der Fremdenhass lenkt nur von den wirklichen Problemen ab…

    Ich stehe auf dem Standpunkt „Wertkonservative aller Länder (und Religionen), vereinigt Euch!“

    Dazu bedarf es aber auch der Bereitschaft, eigene langjährige Überzeugungen zu hinterfragen…

  6. Mein Reden,🙂

    Mal ehrlich: wer mit solchen wertkonservativen Einstellungen hat etwas gegen eine Gesellschaft die die Familie als erste gesellschaftliche Einheit fördert, sich für Treue in der Ehe einsetzt, Verantwortungsbewußtsein und Einsatz aller Bürger fordert, Wert auf Bildung in religiösen und weltlichen/wissenschaftlichen Bereichen legt, den Gottesdienst aller monotheistischen Religionen ermöglicht und fördert, Sorge für Bedürftige durch öffentliche Anstrengungen (Steuern) und durch die Forderung nach gesellschaftlichem Engagement betreibt, Kriminalität bekämpft durch Vermittlung ethischer Werte und abschreckende Strafandrohungen, auf die Bewahrung der Schöpfung achtet, Abtreibung ächtet, ein Wirtschaftssystem fördert, dass auf fairem Umgang beruht und Ausbeutung von Arbeitskräften und Wucherzinsen verbietet, aber keinesfalls das Streben nach Gewinn verurteilt. Ein Staat der wehrhaft ist und Beteiligung daran von allen Bürgern fordert, aber keine Angriffskriege führt, ein Kriegsrecht hat, dass Massenvernichtungswaffen verbietet, weil dadurch Unschuldige getötet werden und Misshandlung von Kriegsgefangenen ahndet.

    Mehr fällt mir jetzt gerade nicht ein zum Scharia-konformen Staat. Ich glaube kaum, dass wir auf große Widersprüche treffen würden, bei einer Beschreibung einer christlichen Gesellschaft.

    Nur verharren die meisten in ihren Vorurteilen, hinterfragen nie, ob ihre Informationen vom Islam als Religion von „Feuer und Schwert“ stimmen und ob das schlechte Benehmen mancher Muslime wirklich auf ihrer Religion beruht, oder womöglich gerade darauf, dass diese nicht danach leben.

    Lieber fallen sie auf die Gleichstellung von Islam=Terror herein. Eine Taktik die auch aus „Teile und herrsche“ resultieren kann, womöglich könnten wir sonst ja eine Partei zusammen gründen,🙂. Da sind solche Gestalten wie bei PI natürlich willige Werkzeuge.

    Grüße von Meryem

  7. Meryem, das große Problem in der hiesigen Politik ist, dass man wie es aussieht mit positiven, konstruktiven oder werteorientierten Ansätzen nicht viel gewinnen oder mobilisieren kann.
    Mit Sozialneid (wie ihn vor allem die Linke schürt) oder Angst und Hass (wie sie zB die NPD oder islamfeindliche Parteien schüren) bewegt man wesentlich mehr Leute zu einer Stimmabgabe. Und in Deutschland denken die meisten, wenn sie Scharia hören, an abgehackte Hände. Da machen sich PISA-Bildung, verkürzte Medienberichterstattung und der Unwille vieler, sich mit den Traditionen und Denkweisen anderer auseinanderzusetzen, bemerkbar…

    Im Grunde muss man sich aber ohnehin darüber im Klaren sein, dass der Staat zwar bestimmte elementare Werte und Rechtsgüter schützen kann und muss und dazu beitragen kann, dass sie wieder einen höheren Stellenwert bekommen.
    Aber letztlich müssen wir alle als Bürger in unserem Umfeld tun, was uns möglich ist, um Gutes zu tun oder Dinge zu bewegen…

    Was mich interessieren würde: Wie findest Du denn als Muslima eigentlich das Bündnis BFF in Bonn? Die haben als Wahlvorschlag gleich 2 Sitze im Stadtrat gewonnen und damit zB mehr als die Pro…
    Denkst Du, dass Deine Glaubensbrüder und -schwestern künftig noch mehr die Initiative in die eigenen Hände nehmen werden oder war das eher eine lokale Angelegenheit?

  8. Es kann tatsächlich passieren, dass der Islam in nicht allzu ferner Zukunft die vorherrschende Religion in Deutschland wird. Über diese Aussicht freue ich mich allerdings, im Gegensatz zu „meryemdeutschemuslima“ keineswegs und versuche daher auch, dem auf politischem Wege entgegenzuwirken.

    Gleichzeitig sollte man auf kultureller Ebene dafür sorgen, dass unsere abendländischen Traditionen verstärkt gepflegt werden.

    Und nicht zuletzt muss die Geburtenfreudigkeit bei der autochthonen deutschen Bevölkerung wieder angekurbelt werden – und ja, das ist angesichts der katastrophalen demographischen Lage meines Erachtens auch staatlicherseits zu fördern. Ich bin als Sozial-Konservativer ja kein Liberaler, der im Staat die Wurzel allen Übels sieht.

    Übrigens ist es egal, ob der Nikolaus heute Türke wäre, denn zu seiner Zeit war er es eben nicht. Genauso wie Kant kein Russe und Kopernikus kein Pole war. Letztgenannte zählen zu den großen Geistesgrößen, die das deutsche Volk hervorgebracht hat. Und der Heilige Nikolaus war vermutlich griechischer Herkunft.

  9. Servus,

    da liegt der Trugschluss, dass ein Volk Geistesgrößen hervorbringt – einzig und allein Gott ist dafür verantwortlich, mit welchen Begabungen jemand geboren wird, sei es Geistesgröße oder Herzensgüte, oder beides.
    Darum ist es auch völlig unwesentlich, welcher Nationalität besondere Persönlichkeiten zugeordnet werden.
    Allenfalls kann man doch die Person bewundern, die soviel Willensstärke aufbringt, ihre Talente auch zum Wohle aller zu nutzen.

    Und es ist blödsinnig, als Volk „stolz“ auf jemanden zu sein, denn man hat ja dazu nichts beigetragen – außer vielleicht ein entsprechendes Bildungsumfeld zu schaffen, dass es Begabten ermöglicht ihre Fähigkeiten zu entfalten (und da gibt es momentan gar nichts zum stolz sein).

    Ich warte immer noch auf die Erläuterung mit welchen verfassungskonformen Mitteln man denn der Ausbreitung des Islam entgegenwirken will. Demographisch ist das jedenfalls nicht mehr umzukehren, wobei alleine die Herkunft aus einem muslimischen Umfeld ja noch lange nicht bedeutet, dass aus allen Kindern auch Muslime werden. Unsere Gesellschaft arbeitet ja eher darauf hin, alle zu Ungläubigen zu machen, egal welcher Religion sie entstammen.

    Und so lange Menschen mit religiöser Ausrichtung nicht zusammenhalten und ihre Nationalität samt Vorurteilen dabei vergessen, wird dieser teuflische Plan auch aufgehen.

    Genauso wie das Christentum ist auch der Islam für alle Völker gekommen – nur die Juden nehmen sich dabei aus.
    Wahre Gottesergebenheit findet jenseits von Nationalitäten oder Staaten statt.
    Auch wenn Gott viele verschiedene Völker geschaffen hat – wie schon oben zitiert, ist SEIN Ziel, dass sie sich kennenlernen. Nicht dass sie sich bekämpfen oder Angst voreinander entwickeln.

    @loyalbushie: ich finde die Kölner Initiative ganz interessant, wobei ich mir nicht klar bin, wieviel religiöse Praxis da vertreten ist. Aber Engagement für die Heimatstadt ist eine gute Sache und vielleicht können sie als Migrantenkinder auch besseren Zugang zu manchen Problemgebieten bekommen.
    Wenn das gut läuft, dann mag es ja auch anderenorts solche Initiativen geben. Da wär ich jedenfalls gerne dabei, obwohl ganz und gar ohne Migrationshintergrund,🙂
    Schwierig ist es immer, Muslime unter einen Hut zu bekommen (oder unter einen Turban). Da gibt es welche, die jegliche politische Betätigung oder selbst Wahlteilnahme als Götzendienst ablehnen, dann gibt es die „säkularen“ Muslime (die ja keine sein können, weil das nicht geht), dann gibt es die ganzen Nationalitätenvorurteile (können sie noch besser als „die Deutschen“) und womöglich werden sich noch die Shiiten (für politische Betätigung unter der islamischen Fahne) und die Sunniten („Religion ist Privatsache“ – Mehrheitsmeinung) nicht einig.
    So gefährlich sind wir also gar nicht.

    Ich fände es schon toll, wenn sich muslimische Gruppen mehr mit ihrer Arbeit in der Öffentlichkeit präsentieren würden, auch mit der karitativen und noch besser, wenn es dabei zur Zusammenarbeit mit anderen Wohlfahrtsverbänden käme.
    Ich hab mal versucht, eine Aktion zur Unterstützung für den kostenlosen Schülermittagstisch ins Leben zu rufen, aber da fand ich keine Mitstreiter. Besonders blöd, weil sicherlich viele muslimische Kinder davon profitieren.

    Ende des Wortes zum Dienstag, Meryem

  10. Ich würde sagen, einigen wir uns konsensual erst mal darauf, dass der Nikolo definitiv NICHT von Coca Cola erfunden wurde.🙂

    Gute Nacht erst mal und schön, dass Ihr Euch so aktiv hier beteiligt!

  11. 🙂 erfunden nicht, aber neu eingekleidet,🙂

  12. Tja, das Leben kann so einfach sein, mann muss nur glück haben.
    Nikolaus Köln

  13. Grüß Gott,
    ich hab gerade einen Artikel über den Nikolaus bei mir verlinkt, hier zu finden: http://www.muslim-markt.de/forum/messages/1368.htm

    Außerdem gibts in der theolounge einiges an Informationen, auch über die Kostümierung,🙂 :

    http://www.theolounge.de/ (Der Nikolaus und die weihnachtsmannfreie Zone)

    Dann hab ich neulich mit einer Kurdin über den Nikolaus gesprochen und guck an: sie sagt er wäre ein Kurde gewesen,🙂

    Grüße von Meryem

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: