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DVU: Selbstauflösung noch vor Jahresende?

In Politik on September 14, 2009 at 1:08 am

Die Entwicklung der Partei in den letzten Monaten, das Europawahlergebnis von gerade einmal 0,4% und die katastrophalen Umfragewerte für die bevorstehende Landtagswahl in Brandenburg geben Grund zur Annahme, dass sich die rechtsextreme Deutsche Volksunion (DVU) zeitnah mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder selbst auflösen oder ihre Zahlungsunfähigkeit einräumen wird müssen. Nach dem Verlust des bisherigen Abgeordneten in der Bremischen Bürgerschaft durch Austritt steht der Partei auch das Ausscheiden in Brandenburg und damit aus dem letzten Landtag, in dem sie noch mit Abgeordneten vertreten ist, unmittelbar bevor.  

Darüber hinaus kann sich verlässlichen Quellen zufolge das Umfeld des früheren langjährigen Parteivorsitzenden und Verlegers Dr. Gerhard Frey aus München mit dem Kurs, den die neue Führung unter Matthias Faust fährt, nicht mehr anfreunden und wird die Partei definitiv nicht mehr unterstützen. 
Hatte der schwedische Multimillionär Patrik Brinkmann im Frühjahr dieses Jahres noch gemeinsam mit dem später aus der NPD ausgeschlossenen nunmehrigen Bundespressesprecher Andreas Molau angekündigt, die Partei in Richtung eines populistischen, rechtskonservativen Angebots für bürgerliche Wählerschichten – fernab früherer antisemitischer Ausfälligkeiten und unter Abkehr vom völkischen Nationsbegriff – verändern zu wollen, soll auch hier mittlerweile nachhaltige Ernüchterung eingekehrt sein.
Faust habe sich in wesentlichen Fragen der Personalpolitik und der künftigen inhaltlichen Ausrichtung der DVU selbst engsten Vertrauten gegenüber als nachhaltig beratungsresistent erwiesen und Personen den Weg in die Partei und in verantwortungsvolle Positionen geebnet, bei denen Beobachtern zufolge schon im Vorfeld die Annahme nahe liegen musste, dass ein Exodus der Partei aus der politischen Schmuddelecke mit ihnen nicht zu vollziehen wäre.
Neben Personen aus dem Umfeld der neonationalsozialistischen „freien Kameradschaften“, prominenten Neonazis wie dem Hamburger Christian Worch und dem mittlerweile aus der Partei ausgetretenen – und dabei definitiv NICHT einem allfälligen Ausschluss zuvorgekommenen – hauptberuflichen Antisemiten Detlef Nolde wurden zahlreiche weitere Kräfte in die Partei integriert, die mit Gefühl und Härte daran arbeiteten, die DVU mehr als je zuvor gegenüber Außenstehenden als Monstrositätenkabinett erscheinen zu lassen. In diesem Zusammenhang seien Beschwerden von Mitgliedern und Funktionären konsequent ignoriert worden.  
 
Nach der vorauszusehenden Wahlpleite in Brandenburg wird die Partei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr in der Lage sein, ihre Außenstände zu begleichen. Zahlreiche externe Europawahlhelfer, vor allem aus der bis vor wenigen Wochen noch mit der DVU im so genannten „Deutschlandpakt“ verbundenen neonationalsozialistischen NPD, werden vertraglich vereinbarte Aufwandsentschädigungen für Plakatierungs- und sonstige Wahlkampftätigkeiten einfordern und auch die Finanzierung der – vertrauenswürdigen Quellen zufolge nicht unerheblichen – Gehälter für hauptamtliche Parteimitarbeiter dürfte sich nicht mehr auf Dauer aufrecht erhalten lassen. Das Aufkommen an Mitgliedsbeiträgen könnte nur wenig Erleichterung bringen: Ein nicht unerheblicher Teil der Parteimitglieder dürfte diesen Status ehrenhalber als langjährige Kundschaft des Verlagshauses in der Münchener Paosostraße erlangt haben und daher gar keine Beiträge entrichten.
Die Verlagerung der Zentrale in die Privatwohnung des Bundesvorsitzenden deutet ebenfalls darauf hin, dass bei der 1987 gegründeten Partei in nicht allzu ferner Zukunft die Lichter ausgehen dürften. Auch die Schill-Partei endete auf diese Weise…   
EDIT: Auf einem als DVU-nahe geltenden, rechtsextremen Blog wird Pressesprecher Andreas Molau dahingehend zitiert, dass Nolde mit seinem Austritt einem Parteiausschluss zuvorgekommen wäre. Sollte dem so sein, ist die oben dargelegte gegenteilige Einschätzung unzutreffend. Allerdings wäre dieser Entschluss der DVU immer noch reichlich spät gekommen, nachdem bereits seit der von der Parteispitze geduldeten Übernahme der Berliner Landesverbandsseite und seit seinen Auslassungen im Parteiforum EWS für jedermann erkennbar geworden war, dass Nolde die Politik der FAP und NF unter dem Dach der DVU fortsetzen wollen würde. Bereits seit Monaten war der Parteiführung bekannt, dass der inhaltliche Gestalter ihres Berliner Webauftrittes nicht nur parodistisch anmutende Solidaritätsadressen für Nordkorea und die Führung des Iran, sondern auch widerwärtigste antisemitische Hetze verbreitete. Einen Anlass, einzuschreiten, sah man aber offenbar zuvor über ein halbes Jahr hinweg noch nicht…
  1. Es ist immer besonders lächerlich, wenn Anhänger des zionistischen Rassismus und Chauvinismus meinen, ihre Gegner mit der Nazi- und Antisemitismuskeule diskreditieren zu müssen.

    Nur, wer fällt darauf noch herein?

    Im übrigen hat Dein Gastartikler Andreas Molau wie der Vorsitzende selbst eng mit Christian Worch zusammengearbeitet, wogegen ich immer wieder opponiert habe, weil dieser sich nicht von seiner braunen Vergangenheit distanziert hat.

    Natürlich war es auch Unsinn, wenn Molau damals im Auftrag von Faust behauptet hat, ich wäre einem Rauswurf zuvorgekommen. Mit ihren Lügen nach meinem Austritt konnten sie letztlich den wohlverdienten Zerfall des gesamten Parteiprojekts nicht verhindern.

  2. Tut das jetzt noch was zur Sache?

    Wenn mein Arbeitskollege ein gerade aus der Haft entlassener Highway-Killer wäre und in meiner Stellenbeschreibung drin stehen würde, ich müsste mich in manchen Arbeitsabläufen mit ihm akkordieren, stünde auch ich vor der Alternative, meiner arbeitsvertraglichen Verpflichtung nachzukommen oder bei der Bundesagentur vorzusprechen. Ich würde es – eine angemessene Dotierung des Entgelts vorausgesetzt – möglicherweise vorziehen, noch zähneknirschend meinen Arbeitsvertrag zu erfüllen und parallel dazu die Fühler auszustrecken, um einen geordneten, nahtlosen Absprung hinzukriegen. So hat es ja offenbar auch Andreas Molau gemacht und mit 31.3. war ohnehin sein Vertrag abgelaufen.

    Dass die DVU wohl demnächst endgültig in den ewigen Jagdgründen der parteipolitischen Szenerie verschwinden wird, ist außerordentlich zu begrüßen – diesbezüglich dürften wir uns ausnahmsweise einig sein.

    Was Anhänger eines „zionistischen Rassismus und Chauvinismus“ anbelangt, kann ich Dir leider nicht weiterhelfen. Wenn Du damit die Kach-Partei meinst: die ist seit einiger Zeit verboten… über diese hinaus ist mir ein solches Phänomen leider gänzlich unbekannt.

    • Was ich Andreas Molau fragen würde ist, warum er sich einst nach meinem Austritt dazu hinreißen hat lassen, auf Anfrage von GS die Lügen von Matthias Faust zu verbreiten (ich hätte „Wahrnehmungsstörungen“), obwohl er über dessen eMails an mich in Kenntnis gesetzt war, die ich gezwungen war öffentlich zu machen.

      Das ist keine Art und Weise, das war höchst unanständig, zumal er mir gegenüber bis dato immer höflich aufgetreten ist. Wie er selbst seinen weiteren politischen Weg beschreitet, ist dagegen allein seine Sache, auch wenn ich es ein wenig sonderbar finde, wenn er in einem Interview jüngst erklärte, sich „nicht aktiv politisch in der DVU betätigt“ zu haben.

      Interessant, immerhin hat er für dieses Nichttätigsein als Pressesprecher dieser Partei offenbar ein Jahr lang monatlich 4000 Euro aus der klammen Parteikasse erhalten, wie Mitglieder vielfach wie erfolglos kritisierten. Nun denn, offenbar will er seine Vergangenheit glätten, was mich nur am Rande interessiert.

      Von seinem politischen Selbstverständnis her dürfte dabei weniger „ein gerade aus der Haft entlassener Highway-Killer“ ihn belastet haben, zumal ein solcher „Arbeitskollege“ (also DVU-Parteifreund) mir nicht bekannt, sondern schon eher ein Christian Worch, der es nicht für nötig befand und von Matthias Faust und Andreas Molau (immerhin Verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der DVU) offenbar auch nicht dazu aufgefordert wurde, sich vom Neonazismus und seiner entsprechenden Vergangenheit öffentlich und deutlich zu distanzieren, was der Glaubwürdigkeit der Partei sehr geschadet hat.

      Was den Zionismus als rassistische Ideologie und Praxis anbetrifft (daran ändert auch nicht die Tatsache, daß, warum auch immer, Vereine wie die „Kach-Partei“ verboten werden), so halte ich mich an die UNO-Resolution von 1975, die festhielt, daß Zionismus eine Form des Rassismus sei.

      Daß diese nach dem Zerfall des „Ostblocks“ aufgehoben wurde, besagt nichts, als die veränderten Machtverhältnisse seitdem, die sich zudem in einer Reihe von völkerrechtswidrigen imperialistischen Kriegen (Jugoslawien, Irak usw.) bemerkbar machten.

      Was dieses Thema betrifft, so ist es eine Lüge (Sie wollen ja Christ sein, weshalb ich Sie an das entsprechende Gebot erinnere), Antizionisten (nicht solchen, die ihren Judenhaß als Antizionismus tarnen wohlgemerkt) pauschal und unbelegt zu unterstellen, sie wären verkappte Antisemiten – eine Keule, die Zionisten unbekümmert auch auf antizionistische Juden anwenden.

      Auch Nazis bezeichnen jeden Anti-Nazi als Antideutschen, dabei sind sie diejenigen gewesen, die unserem Land mit ihrer verbrecherischen Ideologie und Politik das bisher größte Unglück zugefügt haben.

      Wie Sie anhand der Beiträge auf meinem Blog wie der dortigen Linkliste erkennen können, bin ich ein Gegner jedes Rassismus und bornierten Nationalismus, also auch des Zionismus – in jedem Kontext erkläre ich mich solidarisch mit antizionistischen Juden jeder Couleur, ob diese in Palästina oder sonstwo beheimatet sind.

      All das können Sie wissen, wissen es sicherlich auch und schreiben trotzdem etwas anderes. Zudem, könnten Sie vor dem Hintergrund ihres Christseins eindeutige, bösartige Unterstellungen wie auf der bluthilde-Seite verantworten, wenn Sie dafür verantwortlich wären, wo mir eine Aussage unterstellt wird, die ich nie getätigt habe?

      Und bitte nicht damit kommen, das wäre alles „Satire“.

      An den Früchten sollt ihr sie erkennen, das gilt insbesondere für jene, die ständig betonen, wie christlich und wertkonservativ sie sind. Ohne Moralapostel sein zu wollen, denn in der politischen Auseinandersetzung schießt jeder mal übers Ziel hinaus, aber Grenzen gibt es doch, oder?

  3. Wieso fragen Sie ihn nicht selbst, was irgendwelche Mails oder Stellungnahmen zur besagten Zeit betrifft? Vielleicht antwortet er Ihnen ja.

    Ich denke, was den jeweiligen Anteil am endgültigen Exitus der DVU und deren Umfunktionieren in eine Parodie ihrer selbst anbelangt, nehmen Sie, Worch und diese ganzen Gestalten in diesem skurrilen Forum „EWS“ einander nicht viel. Schon einer davon allein wäre tödlich gewesen.

    Was eine feinsinnige Unterteilung von „Antizionisten“ anbelangt, möchte ich jetzt nicht einen Ausspruch des früheren niedersächsischen Innenminister Glogowski zitieren, obwohl er mir auf der Zunge liegt. Wer immer und aus welchen Grund auch immer mit dem sattsam bekannten „Zionismus ist Rassismus“-Spruch kommt, hat sich aus meiner Sicht damit schon als seriöser Gesprächspartner disqualifiziert. Und was irgendwelche Resolutionen dieses Gott sei Dank in annähernd gleichem Ausmaß unfähigen wie antisemitischen Deppenvereins UNO anbelangt, der – wenn er ausnahmsweise mal ein paar Minuten lang nicht gerade gegen Israel hetzt – sich mit Genderpolitik, Klimalegenden, Förderung der sexuellen Betätigung von Kindern oder Perspektiven zur Entvölkerung der Welt befasst, ist dieser Quatsch nicht mal das Papier wert, auf dem er abgedruckt ist.

    Was die Darstellung auf bluthilde anbelangt, ist diese eindeutig als Satire erkennbar (und außerdem steht es im About noch mal explizit drin). Eine Verletzung Ihrer Menschenwürde oder eine Schmähung ist in der Bezeichnung als „hauptberuflicher Antisemit“ bzw. der Wiedergabe eines – erfundenen – Zitats Ihrer Person über die angebliche „Schuld der jüdischen Schulmedizin am Tod Michael Jacksons“ sicher nicht zu erkennen, wenn man in Relation dazu betrachtet, wie weit sie sich zB im EWS-Forum mit diffamierenden Äußerungen über Juden (und definitiv nicht nur gegen „zionistische“) aus dem Fenster gelehnt hatten. Das erinnerte ja geradezu an einen pawlowschen Beißzwang. Außerdem war über lange Zeit hinweg auf Ihrer Seite Propaganda für den Quacksalber Ryke Geerd Hamer enthalten, der sich exakt dieser Form der Argumentation bediente.

    Ich sehe jedoch, dass Sie auf Ihrer Seite mittlerweile nur noch zu einer Seite der „Neuen Medizin“ verlinken, die sich von den antijüdischen Aussagen Hamers distanziert. Außerdem weisen Sie auf jüdische Quellen hin, deren Aussagen ich zwar für hanebüchen halte („antizionistische“ Juden dieser Art erinnern mich frappierend an „Bomber Harris do it again“-Deutsche), die aber ihre Darstellung bestätigen, Sie würden keinen pauschalen Hass auf Juden empfinden. (Gut, es steht ja auch auf bluthilde, dass „Antizionisten“ nicht alle Juden hassen… nur die lebenden…)

    Vorschlag zur Güte: Das erfundene Zitat von Ihnen auf bluthilde wird zeitnah durch ein anderes (nicht von Ihnen) ersetzt.

  4. Ich könnte Andreas Molau fragen, warum er damals die Unwahrheit gesagt hat, vielleicht würde er mir auch antworten, andererseits wäre es an ihm, sich diesbezüglich an mich zu wenden.

    Jedoch, für einen solchen Aufwand liegt diese Episode mit ihren Nachhutgefechten eine gefühlte „halbe Ewigkeit“ zurück, so daß eine echte Relevanz längst nicht mehr gegeben ist.

    Was den „Anteil am endgültigen Exitus der DVU und deren Umfunktionieren in eine Parodie ihrer selbst anbelangt“, so ist an erster Stelle der ebenso unwahrhaftige wie unfähige Parteivorsitzende zu nennen, unmittelbar folgt der zweite Hauptamtliche, sein einstiger Pressesprecher.

    Was eine „feinsinnige Unterteilung“ von Antizionisten anbelangt, so gehört die Befassung mit Judenhassern (Nazis usw.) nicht dazu, denn diese tarnen sich bisweilen lediglich als „Antizionisten“, während andere braune Personen und Organisationen sich offen solidarisch mit dem Zionismus erklären (siehe: „Nationale Sozialisten für Israel/NASOFI“), wie auch die Nazis eng mit den Zionisten zusammengearbeitet haben.

    Hat sich auch Prof. Israel Shahak als „seriöser Gesprächspartner disqualifiziert“, nicht, weil er gestorben ist, sondern, weil er den rassistischen Charakter des zionistischen Staates beschrieben hat? Hat er nicht beschrieben, daß arabische Isaelis nicht dieselben Rechte haben wie jüdische?

    Daß das nicht der Fall ist, „Israel“ definiert sich ja auch explizit als „jüdischer Staat“, ist doch allgemein bekannt. Und wie nennt man Staaten, in denen Apartheit existiert? Nicht etwa rassistisch?

    Ein demokratischer Staat Palästina für alle seine Bürger, egal welcher Religion und Nationalität, wäre die anzustrebende Lösung, also keine Zwei-Staaten-Lösung, die das Existenzrecht der Araber im zionistischen Staat bestreitet bzw. dieselben dort diskriminiert.

    Da die „Darstellung auf bluthilde“ für schlichtere Gemüter, die sich wie Sand am Meer im Internet tummeln, nicht unbedingt „eindeutig als Satire erkennbar“ ist, bin ich Ihnen dankbar, daß Sie das von Ihnen „erfundene Zitat“ entfernt haben.

    Ich habe im EWS-Forum keine „diffamierenden Äußerungen über Juden“ getätigt, sondern sehe keinen Grund, warum ich religiösen oder entsprechend verbrämten Extremismus und Nationalismus beim Christentum und im Islam, nicht jedoch im Hiblick auf das Judentum kritisieren dürfte, was wiederum keine Pauschalverurteilung in Richtung aller Juden bedeutet.

    Auch diese zionismus- bzw. religionskritische Thematik betreffend vermittelte Prof. Israel Shahak wichtige Einblicke, wie ich auch die Beiträge des Juden Reuven J. Cabelman sehr schätze, der im letzten Jahr an der Demonstration in Berlin zum Quds-Tag teilnahm – jene, die von Nazis, Matthias Faust und den zionistischen Gegendemonstranten als „Islamisten-Demo“ verurteilt wurde.

    Ich habe mich also nicht „weit aus dem Fenster gelehnt“, sondern getan, was jedem doch wohl zusteht, grad dann, wenn er jedweden Totalitarismus, Nationalismus und Rassismus ablehnt.

    Ich weise schon seit etlichen Jahren auf die Erkenntnisse von Dr. Hamer hin, ebensolange erkläre ich jedoch, daß ich seine pauschal antijüdischen Stellungnahmen nicht teile, wie ich darauf hinweise, was der Hauptpunkt ist, daß seine privaten oder politischen Vorlieben oder Ansichten nichts mit seinen wissenschaftlich-medizinischen Erkenntnissen zu tun haben.

    Hier muß man, will man redlich sein, exakt trennen, statt das Kind mit dem Bade ausschütten. Es sei denn, man will genau das. Es ist Dr. Stefan Lanka, der in diesem http://www.youtube.com/watch?v=BRLoiykm-Ug Interview diese Sachlage auf den Punkt bringt.

    Immerhin scheinen Sie nun anzuerkennen, daß ich „keinen pauschalen Hass auf Juden empfinde“, daß angefügte unsinnige bluthilde-Zitat mal außen vor gelassen, dafür meinen Respekt.

  5. Bitte gerne… ich habe ein gewisses Faible für jene Präzision bei politischen Einordnungen, wie sie zB „Endstation Rechts“ an den Tag legt. Im Unterschied zum bluthilde-Blog soll diese Präzision auch hier so gut es geht an den Tag gelegt werden. Und demnach kann ich ihnen zwangsläufig, wenn sie „bloß“ mit 95% aller Juden ein Problem haben, auf Grund der 5%, mit denen sie keines haben, keinen „pauschalen Hass auf Juden“ nachsagen, auch wenn das, was Sie über die 95% sagen, noch hanebüchen sein mag.

    Was ich allerdings meine, objektiv behaupten zu können, ist, dass Ihre Darlegungen über den Staat Israel schlichtweg falsch sind. Oder ist Deutschland etwa rassistisch, weil es ein deutscher Staat ist oder praktiziert Deutschland „Apartheid“, weil Staatsbürger Rechte haben, die Nichtstaatsbürger nicht haben?

    Die einzige „Diskriminierung“, die israelische Staatsbürger arabischer Herkunft in Israel erleiden, ist, dass sie nicht in der Armee dienen „dürfen“. Wenn die netten Menschen von Hamas und ähnlichen Terrorbanden aufhören würden, Israel mit Raketen zu beschießen und arabische Staaten ihre Vernichtungsfantasien gegenüber Israel in etwas dezenterer Form ausleben würden, nämlich meinetwegen an der Spielekonsole oder im privaten Kamingespräch – statt hoch offiziell und unter Verwendung realer Waffen -, dann würde Israel sicher auch über die Aufrechterhaltung dieser „Diskriminierung“ nachdenken. Solange dies nicht der Fall ist, möchte man jedoch arabische Bürger Israels nicht in potenzielle Gewissenskonflikte stürzen, wie Sie im letzten Jahr zB zu einem Amoklauf eines US-Armeepsychiaters geführt hatten.

    Ich würde auch eine Ein-Staaten-Lösung vorziehen: Friedliche Palästinenser leben als gleichberechtigte Bürger in Israel, wie es ihnen jetzt schon möglich wäre. Da Fatah und Hamas diese Lösung jedoch nicht goutieren, bleibt die Zwei-Staaten-Variante wohl die einzig realpolitisch sinnvolle…

    • Gibt es seriöse Erhebungen, die Ihre Behauptung belegen, wonach 95% des Judentums Anhänger des Zionismus sind?

      Und, wenn dem so wäre, was würde das bedeuten?

      Daß während der Zeit des Nazi-Regimes nur Nazi-Deutsche „echte Deutsche“ waren, da diese laut Goebbels (und später Goldhagen) 95% des deutschen Volkes stellten?

      Wenn dem so ist, dann stehe ich halt auf der Seite der Minderheit, als mich Rassisten und Extremisten, die mit Gewalt, Korruption und Hetze die Majorität stellen oder dieses Bild in der Öffentlichkeit produzieren, anzubiedern.

      Die BRD praktiziert eben keine „Apartheid“, da alle Staatsbürger gleiche Rechte haben, welcher Religion und nationaler Herkunft auch immer.

      Anders in „Israel“, dort werden nichtjüdische Staatsbürger ganz offiziell diskriminiert, genießen keine vollwertigen Rechte, wie man bei Prof. Israel Shahak („Jüdische Geschichte, Jüdische Religion“, Semit Verlag) nachlesen kann.

      Daraus wird zionistischerseits ja auch gar kein Hehl gemacht, denn es wird betont, daß es sich bei „Israel“ um einen „jüdischen Staat“ handelt, einen Charakter, den man beibehalten will.

      Ähnliches auf die BRD übertragen hieße, Staatsbürger etwa türkischer Herkunft mit geringeren Rechten auszustatten, um den „deutschen Charakter“ des Landes zu bewahren.

      Welche Kräfte vertreten bei uns solche Forderungen? Richtig, daß von Ihnen so genannte „Völkische Abendmahl“, die NPD und ihr Umfeld.

      Was hierzulande also Rassismus, Nationalismus und Extremismus ist, kann objektiv in einem anderen Land nicht etwas völlig anderes sein, oder?

      Wenn „friedliche Palästinenser“ jetzt schon und von Anbeginn als „gleichberechtigte Bürger in Israel“ leben könnten, wäre „Israel“ nicht „Israel“, also kein zionistischer Staat und es gäbe keinen Widerstand der arabischen Palästinenser gegen jene, die sie von ihrem Land vertrieben haben, es besetzt halten, sie diskriminieren und terrorisieren, weil ein solcher Zustand gar nicht erst eingetreten wäre.

      „Auch Albert Einstein fühlte sich vom Chauvinismus der politischen Führer des Zionismus immer mehr angewidert. Gegenüber Dr. Frank, einem Bekannten, beklagte er, daß die Zionisten „den deutschen Nationalismus durch einen jüdischen Nationalismus ersetzten“. Erschüttert haben ihn, daß Weizmann, der eine führende Rolle im Zionismus spielte, auf seine Frage: „Was soll mit den Arabern werden, falls Palästina den Juden gegeben wird?“, geantwortet habe: „Was für Araber? Sie sind kaum von irgendeiner Bedeutung!“ (Aus: Burchard Brentjes, „Geheimoperation Nahost – Zur Vorgeschichte der Zusammenarbeit zwischen Mossad und BND“, 2001, Verlag Das Neue Berlin)

      +

      „Es ist die Pflicht israelischer Führer, der öffentlichen Meinung klar und mutig eine bestimmte Anzahl Tatsachen zu erklären, die mit der Zeit in Vergessenheit geraten sind. Die erste ist, dass es keinen Zionismus, Kolonisation oder einen jüdischen Staat geben kann, ohne die Ausweisung der Araber und ohne die Enteignung ihres Landes. (Joram Bar Porath, Yediot Aahronot, 14 Juli 1972)

  6. 95%? 80%? 70%? Ich habe keine Ahnung, wie viele Angehörige des Judentums weltweit dem Staat Israel positiv und loyal gegenüberstehen oder zumindest froh sind, dass es ihn gibt, aber ich sehe keinen nachvollziehbaren Grund, zu bezweifeln, dass es eine ganz klare und eindeutige Mehrheit ist. Nachdem ein Drittel aller Juden, die weltweit lebten, durch die Shoah ausgerottet worden war, aber auch schon nach Jahrhunderten der Drangsalierung, Ausgrenzung und Verfolgung von Juden in Europa war es nachvollziehbar, dass man sich nicht mehr darauf verlassen wollte, als Minderheit in Staaten zu leben, von denen man nicht wusste, ob diese sie nicht morgen schon wieder für vogelfrei erklären würden. Man wollte eben im eigenen Staat leben, Herr im eigenen Hause sein. Und um nichts anderes geht es Israel.

    Wäre Israel ein rassistischer Staat, würde Israel seine nichtjüdischen Bürger diskriminieren, dann würde ich hier nicht schreiben und Israel gegen unzutreffende Kritik verteidigen. Aber Israel ist es nicht. Und wenn auf das Schicksal von Arabern hingewiesen wird, die im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen rund um die Gründung Israels ihre Heimat verloren hatten: Was ist denn mit den Juden, die zeitgleich aus den arabischen Nachbarstaaten vertrieben wurden? Wer nimmt denn an deren Schicksal Anteil? Hatten die dort auch nur annähernd die Rechte, die arabischstämmige Bürger Israels haben? Ich habe da so meine Zweifel…

    • Wie gesagt, daß Argument mit der „Mehrheit“ ist (für mich) keines.

      Was die „Nachvollziehbarkeit“ der zionistischen Staatsgründung in Palästina wegen der Judenverfolgungen betrifft, so sahen und sehen das viele Juden halt ganz anders.

      Dazu der „Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten/RJF“:

      „Der RJF sieht die Grundlage seiner Arbeit in einem rest­losen Bekenntnis zur deutschen Heimat. Er hat kein Ziel und kein Streben außerhalb dieser deutschen Heimat und wendet sich aufs schärfste gegen jede Bestrebung, die uns deutsche Juden zu dieser deutschen Heimat in eine Fremd­stellung bringen will.“

      Halt auch deshalb, da der „eigene Staat“ nicht in einem „Land ohne Volk“ errichtet wurde, wie die zionistische Propaganda verbreitete, womit „ethnische Säuberungen“ von vorneherein eingeplant waren.

      Wenn tatsächlich Juden „aus den arabischen Nachbarstaaten vertrieben wurden“, was ich einmal so stehenlasse, dann hat das vor allem mit dem Auftreten und Wirken der Zionisten zu tun.

      Diese hatten doch seit Anbeginn ein vitales Interesse, so viele Juden wie nur möglich nach „Israel“ zu holen, weshalb „Antisemitismus“ durchaus in ihrem Interesse lag.

      Wie sagte dazu der Rabbiner Moishe Arye Friedman im Interview mit Dr. Gerhard Frey:

      „Der Zionismus ist gepolt darauf, Antisemitismus zu provozieren und dadurch den Zionismus emotional zu legitimieren. Der ganze Zionismus brauchte von Anfang an die Emotionen, die die Zionisten selber produziert haben.

      Der ganze Staat Israel widerspricht dem Gebot Gottes, der uns befohlen hat, auf keinen Fall nach Palästina zu gehen und sicher nicht mit Macht und Waffengewalt.“

      –> http://detlefnolde.wordpress.com/2009/11/23/zionismus-ist-rassismus/

  7. Die Haltung des RJF unterstreicht ja nur das, was ich oben angedeutet hatte: Es ist ja nun mal nicht so gewesen, dass Juden nicht – oft genug gegen ihre eigenen Interessen und unter Inkaufnahme massiver Gewissenskonflikte vor dem Hintergrund ihrer religiösen Überzeugungen – ihre Loyalität gegenüber jenen Staaten in Europa bewiesen hätten, in denen sie gelebt hatten. Genützt hat es ihnen am Ende nichts – wenn es politisch opportun war, wurden sie verfolgt und das Hitler-Regime hat 6 Millionen von ihnen umgebracht.

    In dieser Situation war es klar: Lieber in einem eigenen Staat leben, selbst wenn dieser bedroht und gefährdet ist, als sich noch einmal auf das Wohlwollen einer Mehrheit in einem fremden Staat zu verlassen.

    Ich freue mich, dass in Deutschland trotzdem wieder jüdische Gemeinden entstehen und viele Juden sogar freiwillig lieber in Deutschland leben als in Israel, wo ihnen die Situation zu unsicher erscheint. Aber das ändert nichts daran, dass Israel als Heimstätte des Judentums erhalten bleiben muss.

    Dass einige orthodoxe Juden ein Problem damit haben, den heutigen Staat Israel als jenes gelobte Land anzusehen, das Gott einst Abraham verheißen hatte, steht auf einem anderen Blatt. Warum habe ich bloß Schwierigkeiten damit, zu glauben, dass Ihnen deren religiöse Überzeugung tatsächlich so sehr am Herzen liegt?

    Und für Antisemitismus brauchen Zionisten nun wirklich nicht zu sorgen. Den gab es bereits zur Genüge, als Theodor Herzl noch nicht mal gelebt hatte und der blüht und gedeiht heute wieder, ohne dass irgendjemand noch zusätzlich etwas dazu beitragen müsste…

    • „Lieber in einem eigenen Staat leben“ ist ja schön und gut, das Problem dabei war und ist nur, daß man sich dazu keinen unbewohnten Landstrich ausgesucht hat.

      Hier sage ich eben nicht leichtfertig, das „steht auf einem anderen Blatt“, und natürlich geht es nicht um diese oder jene „religiöse Überzeugung“, wenn ich gegen Vertreibung und Apartheid bin, sondern bei mir stehen zwei Begriff im Vordergrund: Gerechtigkeit und Humanismus.

      Wenn dabei nun Christen, Konfessionslose, Muslime und Juden sich vereinen, wie wieder einmal letztes Jahre beim Quds-Tag in Berlin, dann muß niemand damit „Schwierigkeiten“ haben, sondern kann mir getrost glauben, daß ich jedesmal vollends dahinter stand.

      Und, richtig, für „Antisemitismus brauchen Zionisten nun wirklich nicht zu sorgen“, den gab und gibt es auch ohne sie, siehe einstige und heutige Nazis.

      Und doch gibt es Beispiele die belegen, wie Zionisten selbst Judenhass schürten, um „Israel“ neue Kolonisten zuzuführen und zu begründen, wie wichtig diese „Heimstätte des Judentums“ doch wäre.

      Moishe Arye Friedman ist nur ein Jude, der auf den Zusammenhang zwischen Antisemitismus und Zionismus hingewiesen hat.

      Das nur noch einmal zum Thema, bei dem es mich, immerhin kenne ich Sie ja vom EWS-Portal, dann doch gewundert hat, daß Sie zu einer solch ruhigen Diskussion, die beinahe ohne sachfremde Untergriffigkeiten auskam, in der Lage waren.

      Zum Abschluß möchte ich noch betonen, daß die Nichtanerkennung des zionistsichen Staates genausowenig bedeutet, daß man deren jüdische Einwohner „ins Meer treiben“ will, wie man einst mit der Nichtanerkennung der DDR ausdrücken wollte, deren Bürger abzumurksen.

      Es braucht, auch wenn das unmöglich erscheint und die Hardliner aller Seiten diesen Eindruck auch immer wieder handfest vermitteln, den Willen zu einer gemeinsamen Zukunft auf der Grundlage der Ächtung von Chauvinismus und Rassismus, damit des Zionismus, um, wie das Jahrhunderte lang möglich war, Menschen aller Religionen und Völker in Palästina friedlich zusammenleben können.

  8. Gut, das hier ist mein Blog und wenn ich zu Recht Leute wie den Initiativgruppler oder den „Bauernbua“ aus dem Kommentarbereich komplimentiere, weil sie im Zusammenhang mit den US-Republikanern oder meinem Gastautor die Faschismuskeule schwingen, mache ich mich unglaubwürdig, wenn ich sie selbst bei erstbester Gelegenheit auspacke.

    Die illustre Gesellschaft im EWS-Forum lud auch in wesentlich geringerem Maße zu sachlicher Diskussion ein als dieses kleine, aber hoffentlich feine Blog hier.

    Wir haben eben – wenn man es wieder möglichst objektiv und wertfrei betrachtet – einige sehr wesentliche Wahrnehmungsunterschiede bzw. Unterschiede im Blickwinkel auf das Thema Israel, Zionismus etc.

    Ich gehe von einem historisch begründeten Anspruch der Juden auf das Gebiet des heutigen Israel aus, Sie offenbar nicht.

    Ich halte im Unterschied zu Ihnen einen Vergleich Israels mit dem Apartheid-System in Südafrika oder mit der „DDR“ für gelinde gesagt etwas frivol, da ich einen nicht unwesentlichen Unterschied auszumachen meine zwischen einerseits einem demokratisch verfassten, freiheitlichen Staat, der die Freiheiten seiner Bürger unabhängig von Ethnie oder Religion schützt und eine Mauer bauen muss, um das Leben dieser vor terroristischen Selbstmordbombern zu schützen und andererseits einer totalitären Diktatur, die Mauern baut, um die Menschen daran zu hindern, ihr riesiges Gefängnis zu verlassen.

    Einig sind wir uns – wenn Sie dies tatsächlich ehrlich meinen – im Wunsch nach einer „gemeinsamen Zukunft auf der Grundlage der Ächtung von Chauvinismus und Rassismus“ zwischen Juden, Arabern und allen anderen Völkern und Religionen im Heiligen Land. Während Sie jedoch das Bestehen des Staates Israel als Hindernis auf dem Weg dorthin sehen, sehe ich darin geradezu die Voraussetzung für eine friedliche und gerechte Zukunft.

    • Nun meldeten auch Nazis einen „historisch begründeten Anspruch“ auf Länder außerhalb ihres Reiches an, weil sie meinten, vor 2000 Jahren hätten dort Germanen gesiedelt.

      So wurde ihr Hauptziel, die Beseitigung der Sowjetunion einerseits begründet mit der „Vernichtung des Bolschewismus“ und andererseits, der „Gewinnung von Lebensraum im Osten“ – für die Krim hatte man schon einen Namen: „Gotenland“.

      Wie legitim ist es also, „etnische Säuberungen“ mit all den Verbrechen, die damit verbunden sind, auf das Argument zu stützen, vor 100, 500 oder gar 2000 Jahren wurden dort jene vertrieben, die man als die eigenen unmittelbaren Vorfahren betrachtet?

      Einstiges, lang zurückliegendes Leid (wenn es denn nicht nur Mythen sind, auf die man sich da beruft) also mit neuem „vergelten“? Nein, diese Logik ist nicht die meine und es gibt für mich auch kein Volk, welches hier für mich Sonderrechte beanspruchen könnte.

      So sehen das nicht nur die thoratreue antizionistischen Juden von Neturei Karta usw., sondern auch liberale, humanistische Juden jeder Couleur.

      Und, war denn das „Bestehen des Staates Israel“ bzw. der Beginn der Aktivitäten der Zionisten im „Heiligen Land“ nicht der Auftakt dafür, daß Juden und christliche wie islamische Araber dort nicht mehr, wie Jahrhunderte zuvor, friedlich miteinander leben konnten?

      Wie soll also „Israel“, also ein Staat, ein explizit „jüdischer“ bzw. zionistischer Staat, kein „Hindernis“ für Frieden sein, wenn er genau diesen einst beseitigt hat?

      Ein neuer Staat in ganz Palästina dürfte also kein jüdischer oder arabischer sein, kein zionistischer oder islamischer, selbstredend müßte dann auch der Staatsname „Israel“ verschwinden.

      Das wäre für mich „die Voraussetzung für eine friedliche und gerechte Zukunft“, wo wir halt auseinanderliegen, was daran liegen könnte, daß mir ihr spezifisch quasi-religiöse Hintergrund fehlt, der bei Ihnen offenbar dazu führt, humanitäre Grundanliegen an zweiter Stelle treten zu lassen.

      Was ist jedoch von Ideologien, Bestandteilen derselben oder entsprechenden Auslegungen zu halten, die solche Folgen zeitigen?

  9. Sie unterstellen, dass die Juden, die nach der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 70 n. Chr. von den Römern vertrieben und in die Diaspora gedrängt worden waren, einfach nach 1800 Jahren plötzlich wieder nach Palästina zurückgekehrt wären und Anspruch auf ihr Land erhoben hätten, weil ihnen gerade nichts Besseres eingefallen wäre.

    In Wahrheit hat das jüdische Volk die Bindung an seine historische Heimat über 3700 Jahre hinweg bewahrt. Zu dieser Bindung gehören unter anderem die Nationalsprache und eine eigenständige Kultur.

    Das jüdische Volk gründet seinen Anspruch auf das Land Israel auf mindestens vier Voraussetzungen:
    · Gott hat das Land dem Patriarchen Abraham verheißen.
    · Das jüdische Volk hat dieses Land besiedelt und zur Blüte gebracht.
    · Die internationale Gemeinschaft hat dem jüdischen Volk in Palästina politische Souveränität zugesichert.
    · Das Territorium wurde in mehreren Verteidigungskriegen erobert.

    Auch nach der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem und dem Beginn des Exils gab es ein – häufig sogar blühendes – jüdisches Leben in Palästina. In Jerusalem und Tiberias wurden im neunten Jahrhundert große jüdische Gemeinden gegründet. Im elften Jahrhundert kam es zur Bildung jüdischer Gemeinden in den Städten Rafah, Gaza, Aschkelon, Jaffa und Caesarea.

    Im zwölften Jahrhundert fielen viele Juden den Kreuzfahrern zum Opfer, doch schon in den beiden folgenden Jahrhunderten wanderten Rabbis und jüdische Pilger ein, und die Zahl der Juden nahm wieder zu. Berühmte Rabbis gründeten in den folgenden dreihundert Jahren in Safed, Jerusalem und an anderen Orten jüdische Gemeinden. Anfang des 19. Jahrhunderts, also noch bevor die moderne zionistische Bewegung ins Leben gerufen wurde, lebten über 10000 Juden im heutigen Israel.

    Die 78 Jahre währende Geburt der Bildung einer Nation, gerechnet von 1870 an, gipfelte schließlich in der Neugründung des jüdischen Staates.

    Israels internationale ›Geburtsurkunde‹ wurde besiegelt durch die Verheißung der Bibel; durch die ununterbrochene Besiedelung des Landes durch Juden seit der Zeit Josuas; durch die Balfour-Erklärung von 1917; durch das Völkerbundmandat, in dessen Präambel die Balfour-Erklärung aufgenommen wurde; durch die Teilung Palästinas durch die – von Ihnen ja ansonsten so gerne bemühte – UNO im Jahr 1947; durch die Aufnahme Israels in die Vereinten Nationen im Jahr 1949 (damals wusste man ja nicht, wie negativ sich diese Organisation entwickeln würde); durch die Anerkennung Israels durch die meisten anderen Staaten; und vor allem durch das funktionierende Gemeinwesen, das die Bevölkerung Israels in Jahrzehnten eines blühenden, dynamischen nationalen Lebens schuf.

    Dass davon alle – eben auch die arabischen Bewohner Israels profitieren würden, räumten damals schon selbst Zionismusgegner wie Dawood Barakat, der Herausgeber der ägyptischen Zeitung Al-Ahram, ein: „Ein Bündnis zwischen den Zionisten und den Arabern ist unverzichtbar, weil ein Streit um Überzeugungen hier nur von Übel sein kann. Das Land braucht die Zionisten: Das Geld, das sie mitbringen, ihre Kenntnisse und ihre Erfahrung und der ihnen eigene Fleiß werden zweifellos zum Aufblühen des Landes beitragen.“

    • Die Geschichten aus dem AT werden ja nicht nur von den Juden Schlomo Sand und Tom Segev in das Reich der Märchen und Legenden verwiesen. Wie dem auch sei, in jedem Fall läßt sich damit kein Recht auf Völkermord und Weltherrschaft begründen, mit UNO-Beschlüsse natürlich ebensowenig.

      Ein paar Aussagen von Zionisten:

      „Die Palästinenser sind Tiere auf zwei Beinen!“ (Menahim Begin, ehem. israelische Premierminister, New Statesman, 25. 6. 1982)

      „Die jüdische Lehre ist rassistisch, und das ist gut so.“ (Rechavam Zeevi, ehem. israelischer Tourismusminister, SZ, 27. 10. 2001). Derselbe im israelischen Armeeradio: „Wir sollten die Palästinenser auf gleiche Weise entfernen wie man Läuse los wird.“

      Bei all der menschenfeindlichen Herrenmenschenideologie sollte man nicht in ebenso negatives Denken verfallen, damit würde man diesen messianischen Endzeitfanatikern jeder Couleur in die Hände spielen. http://www.apocalypse-no.net/

  10. Junge… ein Völkermord wurde vor nicht allzu langer Zeit hier begangen – AN Juden!

    Und wenn wir schon bei Zitaten sind, habe ich teilweise sogar noch jüngere:

    „Das zionistische Regime ist gegenwärtig wie eine verrottete Kriegsmaschine, die beseitigt werden muss.“

    (Der iranische Präsident Ahmadinejad in seiner Rede zum Al-Quds-Tag 2006)

    „Die Hamas hat hinsichtlich ihres Standpunktes gegenüber dem Eroberer und zionistischen Feind nichts geändert.“ (diese „Standpunkte“ möchte ich hier gar nicht erst wiedergeben, sie gleichen alten „Stürmer“-Kommentaren…)

    Ismail Radwan, Hamas-Sprecher in Gaza (Foto links ist ein anderer Hamas-Sprecher, Sami Abu Suhri), gegenüber „Haaretz“ nach dem Mekka-Abkommen im Feburar 2007

    Na ja und hier etwas zur Praxis der friedlichen Pali-Friedenskämpfer:

    http://heplev.wordpress.com/erste-sahne-andere-2/qassam-kalender/

    Und irgendwelche erfundenen oder aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate aus irgendwelchen Hetzblättern kannst Du Dir selbst behalten!

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