loyalbushie

Vom Glaubensfund zum Glaubensschwund?

In Kultur und Zeitgeist, Religion on September 21, 2009 at 4:51 pm

Fragen, Gedanken und mögliche Antworten.

Es ist ein seltsames Phänomen, dass der christliche Glaube vorallem in den deutschsprachigen Ländern immer mehr versandet und verloren geht, aber dafür in so manchen glaubensfeindlichen Gegenden regelrecht aufblüht. Auch wenn dies nicht ausnahmslos so sein muss – in China scheint es jedoch der Fall zu sein, denn dort geschehen zur Zeit geradezu wundersame Bekehrungen. Und wie man den Berichten des katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ entnehmen kann, entwickelt sich dort das Christentum im Kleinen weiterhin positiv.

Machen wir uns doch nichts vor. Kein einziger Christ wurde im Deutschland der letzten zwei Jahrzehnte ob seines Glaubens zu einer Hinrichtung verurteilt. Vorallem Deutschland, Österreich und die Schweiz sind der Religion gegenüber ziemlich liberal eingestellt. Fast alle christlichen Feiertage wurden im öffentlichen Leben beibehalten – wovon nicht zuletzt eben auch arbeitende Atheisten und deren Familien profitieren. Wir haben weltweit immer noch das lockerste Versammlungsrecht und mit dem antichristlichen Gegenwind könnten wir es schon irgendwie aushalten.

Um auf den Punkt zu kommen: Warum verlieren wir trotzdem unseren Glauben, wenn es uns seit einiger Zeit politisch so leicht gemacht wird, ihn zu behalten? Sind es die bösen Medien, die Kommunisten, die Freimaurer, oder die Moslems, die uns daran hindern, den eigenen Glauben in allen Phasen des Lebens auszuleben? Sicher nicht – oder zumindest – noch nicht.

Ist es nicht so, dass wir Christen, und auch die Katholischen Ortskirchen, zum Großteil am massiven Glaubensverfall unserer Zeit selbst schuldig geworden sind? Oder wo wird heute noch furchtlos das Evangelium verkündet, und zwar mit allem drum und dran? Wie schaut es bei den Gläubigen aus, wenn sie deutliche Worte des Herrn hören und diese gar als „Drohbotschaft“ empfinden? Da läuft doch bei uns einiges schief, und das liegt nicht am Evangelium und auch nicht an dessen Übersetzung.

Es ist paradox, dass wir ohne äußerliche Zwänge wahrlich alles aus der Bibel verkünden dürfen und niemand wirft uns dafür in das Gefängnis oder lässt uns standesrechtlich erschießen. Es ist paradox, weil es für unseren Glauben keine rationale, politische oder materielle Hürden seitens der Regierung gibt, aber trotzdem dieser massive Glaubensabfall und diese große Zurückhaltung der getauften Menschen voranschreitet. Damit wird es dann mit der Zeit in der Tat immer schwieriger christliche Werte in die Politik einzubringen. Das muss uns schon klar sein.

Da also keine äußeren Zwänge und Umstände uns zu Glaubensmuffel oder gar zu Atheisten machen, muss man nach der Antwort auf die Frage der Ursache tiefer graben. Die Frage muss an unser Inneres gerichtet werden.

Haben wir einfach nur vom Mainstream Angst?
Sicher, es gibt heute durchaus Schwierigkeiten für die Glaubensverkündigung; man versucht auch allenthalben unsere Rechte einzuschränken – was dennoch bisweilen verblüffend selten funktioniert hat. Aber kann man vor so etwas wie den Mainstream in einer pluralistischen Gesellschaft eine größere Angst haben, als vor totalitären Regierungen, die das Christentum verfolgen und vernichten möchten? Sind wir glaubensmüde, lebensmüde geworden, oder warum kokettieren wir mit dem Zeitgeist, der uns überhaupt nichts zu geben vermag? Warum werfen wir im störrischen und stolzen Ungehorsam gegenüber der Kirche unsere Perlen vor die Säue? Warum stellen wir unser Licht des Glaubens unter den Scheffel, so dass es unbemerkt ob des Sauerstoffmangels langsam dahinschmachtet?

Wir Christen finden doch in der Katholischen Kirche einen sagenhaften Reichtum vor. Nicht nur die Gnaden der Sakramente, die Gott uns besonders durch die Mutter Kirche vermittelt, sondern auch die Tradition und die Kultur. Die Lebensart, die Philosophie, die Seelsorge, das Gebet, die Weisheit. Wozu benötigen wir Qi Gong und andere fernöstliche Meditationen in christlichen Bildungshäusern? Hier könnten wir als Christen doch wirklich einmal selbstbewusst gegen den Strom schwimmen und sagen: „Nein danke, ich brauche das nicht. Nein danke, ich bin überaus reich mit meiner Spiritualität beschenkt“.
Und warum tun wir das nicht? Warum möchten wir beinahe auf Teufel komm raus im grauen Einheitsbrei untergehen?

Ja, wir sind lau geworden und haben uns dem Zeitgeist unterworfen. Wir sind vielleicht auch teilweise zu „Wohlstandschristen“ mutiert, die gleichsam, wie der Bauer in seiner überreichen Ernte, auf die Lorbeeren sitzen bleiben. Nun bemerken wir, dass diese Lorbeeren unter uns anfangen zu verfaulen. Anders ausgedrückt: Wir wurden von Gott reich mit Talenten beschenkt – ganz unverdient – aber wir haben nicht damit gewuchert, sondern die Talente dort vergraben, wo Wurm und Getier daran nagen. Das sind unsere verfaulten Lorbeeren, das sind unsere Perlen und das ist unser Licht. Wer diese Talente bekommen hat und damit für das Himmelreich arbeitet und Frucht bringt, dem wird noch vieles mehr dazu gegeben (Gnade, Umkehr, Versöhnung). Wer dies alles nicht tut, dem wird auch das genommen werden, was er noch hat (Hoffnung).

Es hört sich vielleicht unbequem an, aber wir dürfen keine Duckmäuschen sein! Wir dürfen uns nicht verstecken! Das sind wir nicht einmal uns selbst, sondern vorallem unseren Nächsten schuldig. Oder sollen wir nicht das Salz der Erde sein? Sollen wir nicht Sauerteig für die Welt sein?
Das geht aber nur, wenn wir wissen, dass wir in der Welt, aber nicht von der Welt sind. Was wiederum bedeutet, dass wir uns nicht von der Welt abkapseln sollen, aber wir dürfen uns schon gleich zweimal nicht mit ihr gleich machen. Nicht von der Welt zu sein, kann für uns bedeuten, dass wir Dinge anders regeln und mit Problemen und Leid anders umgehen, als die Welt es kennt. Es kann bedeuten, dass wir uns einem Gott anvertrauen, bei dem das Unmögliche möglich ist – und daran müssen wir glauben!

Gerade wir Europäer sind besonders mit dem Christentum gesegnet worden. Gott gab unseren heidnischen Vorfahren, durch die Mitwirkung der Apostel und Martyrer, die Chance auf Erlösung und die Möglichkeit sich zu heiligen. Gott gibt und gab allen Menschen diese Chance, aber man sieht deutlich, wie sehr Europa damals und bis vor kurzem noch durch das Leben des Evangeliums und der Gottesgebote ganz außergewöhnlich profitierte. Nicht allein durch materielle Güter, denn mehr durch geistige und spirituelle Kultur. Das christliche Abendland – ein von Gott so reich beschenktes Fleckchen Erde – und nun scheint dieses Geschenk im Staub zu liegen. Oder vergeht die christliche Ära genauso, wie es in Nordafrika der Fall war?

Erinnern wir uns daran, dass Gott diesem Kontinent viel gegeben hat und das es an uns ist, viel daraus zu machen und den Menschen diesen viel gebenden, viel liebenden und gerechten Gott näher bringen!

Erinnern wir uns daran, dass zum Gebet auch die Tat hinzukommen muss. Wir brauchen das Gebet so dringend!

Erinnern wir uns an die Heiligen und Martyrer, die unser Europa so reich und groß an Glauben gemacht haben, dass wir heute noch von diesen Früchten im Überfluss haben.

Erinnern wir uns daran, dass wir diese Früchte nicht verfaulen lassen, sondern den Baum hegen und pflegen, damit er weiterhin und noch viel mehr Früchte hervorbringen kann.

Er-Innern wir uns! Lassen wir Jesus Christus in uns wohnen, den Heiligen Geist in uns wirken und werden wir wieder mutig.

Das sind die ersten Schritte zur Neuevangelisierung. Ich denke, diese Schritte müssen wir wagen!

  1. Danke für Deinen sehr schönen und interessanten Beitrag.

    Dass die Zeiten, in denen man auf Grund seiner christlichen Überzeugung Unrecht erleiden muss und diskriminiert wird, in unseren Breiten vorbei wären, dessen bin ich mir alles andere als sicher.

    In Großbritannien etwa sind mittlerweile zum wiederholten Male Krankenschwestern wegen des Tragens von Kreuz-Halskettchen entlassen worden bzw. wurden ihnen von ihrem Arbeitgeber, dem „Nationalen Gesundheitsdienst“, arbeitsrechtliche Konsequenzen angedroht. Angeblich wären die religiösen Symbole ein „hygienisches Risiko“.

    Ich habe im kath.net-Forum schon einmal darauf hingewiesen, wie stark gerade die auf den ersten Blick unspektakulär erscheinende Gesundheitspolitik zu einem Einfallstor für kommunistische Ideologie und neuheidnische Barbarei geworden ist. Abtreibung und Euthanasie können auch nur dann ungestört durchgezogen werden, wenn Christen und andere religiöse Menschen konsequent aus dem Gesundheitsdienst entfernt werden.

    Dies sollten sich auch all jene Christen vor Augen führen, die einen Geert Wilders für seine unsägliche Forderung nach einer „Kopftuchsteuer“ bejubeln.

    Es wäre eher ein Gebot der Hygiene, die Eugenik-Pest aus den Krankenanstalten und den Ministerien zu verbannen.

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