loyalbushie

„Twilight“ und „New Moon“: Warum unsere Presse sie hasst…

In Gesellschaft, Kultur und Zeitgeist, Tagesgeschehen on November 28, 2009 at 12:07 pm

„Seelenlose Bestseller-Verfilmung“, „griesgrämige Vampir-Romanze“, „stümperhaft, blutleer und öde“: So lauteten die Schlagzeilen führender Tageszeitungen zu ihren Besprechungen des Kinostarts des zweiten Teils der „Twilight“-Saga, „New Moon“.

Inhaltlich offenbaren die Filmkritiken dabei oft nicht unerhebliche Schnitzer, beispielsweise werden schon mal die Schauspieler und die von ihnen verkörperten Charaktere falsch zugeordnet oder es wird schnell deutlich, dass die Rezensenten manchmal nicht nur die zur Serie gehörigen Bücher nicht gelesen haben, sondern nicht einmal den ersten Teil der Verfilmung kennen.

Wenn die Feuilletons hiesiger Tageszeitungen so einhellig und in einer an die Geschlossenheit früherer SED-Parteitage gemahnenden Gleichförmigkeit – der in gefühlten 30 Rezensionen auftretende Wortwitz, der Vampir-Film wäre „blutleer“, ist ja allein schon ähnlich amüsant und originell wie einstmalige humoristische Einlagen des Genossen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker – eine Produktion verdammen, die ungeachtet der Tatsache, dass bereits ihr erster Teil ähnliche Kritik erfahren hatte, nach wie vor dies- und jenseits des Atlantiks Erfolg hat (der erste Teil lockte 1,5 Millionen Besucher in die Kinos), dann lohnt es sich, zwischen den Zeilen zu lesen.

An der Tatsache, dass mit Vampiren klassische Figuren des Horrorgenres eine zentrale Rolle in der Saga spielen, kann es kaum liegen, dass „Twilight“ und „New Moon“ zum Objekt feuilletonistischer Hate-Speech werden. Bei „Bram Stokers Dracula“ oder der vor Gewalt, homosexuellen und sadomasochistischen Bezugnahmen strotzenden „Buffy“-Serie war keine auch nur annähernd so große Empörung in den Gazetten zu bemerken. Vielmehr ist es so, dass die in den USA beheimatete, christlich-konservative „Dove“-Foundation ungeachtet der Tatsache, dass okkult anmutende Thematiken dort zu Recht skeptisch beäugt werden, „Twilight“ das Siegel „familienfreundlich“ verliehen hat und dem Nachfolgerwerk „New Moon“ diese Auszeichnung einzig und allein auf Grund der Tatsache versagte, dass ein Charakter den anderen in der Verfilmung ein „Fahr zur Hölle!“ zugedacht hatte und man eine solche Verwünschung aus grundsätzlichen Gründen und ohne Rücksicht auf die sonstigen Qualitäten des Films zum K.O.-Kriterium zu erklären pflegt.

Der Grund, warum die Pensée unique der heimischen Filmkritiker „Twilight“ und „New Moon“, Filme, die laut „Dove“ ein „starkes Thema selbstaufopfernder Liebe“ beschreiben, zur Hölle wünscht, muss also ein anderer sein. Und der Blick in die Besprechungen selbst macht uns schlauer: Man lässt dort die Katze aus dem Sack, indem man moniert, die „Biss“-Verfilmungen „strotzen vor Metaphern der sexuellen Enthaltsamkeit“, sie würden „Spießerträume“ artikulieren, das Resultat wäre „Schmusegrusel für Sittenwächter“. Die in den letzten Jahren von einer bürgerlich-konservativen Qualitätszeitung zum linkshedonistischen Schmierblatt degenerierte „Welt“ bringt es auf den Punkt: „In der blutleeren „Twilight“-Fortsetzung „New Moon“ siegt wieder die Vernunft über den Sex. Und das nervt.“

Unerträglich, wie ein Film im heutigen Europa noch Erfolg haben kann, der nichts anderes zu tun hat, als falsches Bewusstsein zu kultivieren, die Weiten emanzipatorischer Horizonte zu verdunkeln, kapitalistisch-faschistoides Diversantentum und konterrevolutionäre Selbstabgrenzung zu verherrlichen. Möglicherweise beantragt bald noch einer die Indizierung (wenn gar nichts anderes klappt, vermag man sogar „latenten Rassismus“ aufzustöbern… – ist eigentlich die häufig bemühte Regenkulisse nicht auch noch eine Verharmlosung des vom Menschen gemachten Klimawandels?)

Ich hoffe, es ist ein Trost für alle, die sich in unserer so überaus prüden (beispielsweise nur drei von drei Schlagzeilen auf der GMX-Startseite heute Vormittag drehten sich um das Thema „Sex“, hier sogar noch weniger) und verspießerten Gesellschaft unwohl fühlen, dass demnächst immerhin die „Feuchtgebiete“ verfilmt werden – die vorausschauende Sorge um den kommerziellen Erfolg veranlasste die Länder Berlin und Brandenburg sogar dazu, die Produktion mit € 36.000,00 aus Steuermitteln zu fördern. Und mit dem neuen Film des für seine fortschrittlich-moderne und aufgeschlossene Lebensauffassung sowie seine kompetenten Kommentare zur US-amerikanischen Innenpolitik bekannten Noch-nicht-ganz-Hollywoodstars Til Schweiger haben sie immerhin jetzt etwas, was ihnen besser gefallen dürfte als Stephenie-Meyer-Verfilmungen.

Einen Leserkommentar zur „Welt“-Rezension möchte ich dem geneigten Leser hier jedoch nicht vorenthalten:

ichbinsleid sagt:
Nein, ich kenne den Film und die Bücher nicht.
Es es nervt mich aber wahnsinnig, dass hier immer darauf herumgeritten wird, dass die Autorin Mormone ist und angeblich überall ihre Sektendoktrin verarbeitet hat, was ja das personifizierte Böse ist.

Es wäre wirklich das Schlimmste, was passieren könnte, wenn unsere Kinder sich aus diesem Film etwas abschauen. Man stelle sich vor: Ehrliche, tugendhafte Kinder, die Sex als etwas Besonders verstehen und nicht schon mit 12 mit jedem ins Bett steigen. Zum Glück schauen unsere Kinder dann lieber Chucky, Saw und Hostel, das prägt den Charakter und sie lernen was fürs Leben.

Wie krank ist „diese Welt“ eigentlich?“

Besser hätte ich es auch nicht sagen können. Und alle, die „Twilight“ oder „New Moon“ noch nicht kennen, sollten sich die Frage stellen, ob nicht die hasserfüllte Kritik der so genannten „Qualitätspresse“ und nicht zuletzt deren Begründung Anlass genug wäre, alleine schon aus Trotz diesen Film zu besuchen. Wo er in Ihrer Nähe gespielt wird, erfahren Sie hier:

http://www.cinema.de/kino/kinoprogramm/new-moon-biss-zur-mittagsstunde,3896793,ApplicationCinetimer.html?method=movieincity&contentId=3896793

Und deutschen Trailer gibt`s hier.

  1. Ich kann ja wirklich verstehen, dass einem der Hype um die ganze Reihe auf die Nerven geht. Mir geht es oft auch nicht anders, und das, obwohl ich ein Fan bin.
    Ich verstehe auch den Punkt, dass die Geschichte insgesamt nicht gerade das Zeug zum Meisterwerk hat.
    Aber die Begründungen, die man in diesem Artikel dazu lesen kann, sind einach nur albern. Nur weil etwas mit Figuren zu tun hat, die die meiste Zeit als etwas Böses angesehen wurden, braucht man nicht darüber herziehen, nur weil es einmal als etwas auch positives gezeigt wird.

    Ich finde allerdings auch die Darstellung als Plädoyer für Enthaltsamkeit nicht richtig. Schließlcih würde Bella und Edward nichts vom Sex abhalten, wäre da nicht die Tatsache, dass er sie dabei umbringen könnte. Es ist eher – wie sich durch die erwähnten bücher (Romeo & Julia, Sturmhöhe,…) in der Reihe – eine Liebesgeschichte, die davon ausgeht, dass es die eine große Liebe gibt.
    Ganz ähnliches kann man z.b. auch in Bollywoodfilmen sehen. Da gibt es noch nicht einmal Küsse und auf Romantik muss man trotzdem nicht verzichten.

    Vielleicht sollte unsere Welt endlich einmal aufhören, seine Vorurteile von einer Sache auf Andere zu verlagern und mal etwas tolleranter und vor allem offener werden!

  2. Danke für Deinen Beitrag, Christina.

    Ich weiß nicht, ob ich „Twilight“ oder „New Moon“ geguckt hätte, wenn meine Freundin nicht Fan der Stephenie-Meyer-Bücher wäre und die Filmkritiken in der hiesigen Presse neutral ausgefallen wären.

    Ich gucke ja zB Bollywood auch nicht – nicht, weil ich so etwas schlecht finden würde, aber weil ich einfach keinen Bezug dazu habe.

    Aber was mir auffällt, ist, dass es tagtäglich zig Menschen verachtende und sozial schädliche Formate im Fernsehen gibt (zB Topmodel), dass es im Kino im Regelfall zu 90% Filme gibt, in denen Gewalt und Brutalität dargestellt wird, als ginge es um die Inbetriebnahme einer Modelleisenbahn, in denen es höchstens 10 Minuten dauert, bis eine ihre Hüllen fallen lässt oder in denen es so selbstverständlich ist, mit jemandem ins Bett zu steigen, als würde man sich eine Bierflasche öffnen, eine Zigarette anzünden oder sich Rot-Weiß auf die Fritten machen.

    Darüber regt sich keine Zeitung auf, da kommen keine auch nur annähernd so negative Rezensionen, aber sobald mal auch nur annähernd so etwas wie tiefere Gefühle zum Ausdruck kommen (das bluthilde-Blog würde im Glauben an die eine große Liebe vermutlich „faschistisches Exklusivitätsdenken“ erblicken, das vom bösen „Monopolkapital“ zum Zwecke der „Entfremdung von den Massen“ gezüchtet werde), wird ein Skandal daraus gemacht.

    Und da denke ich mir, dass irgendetwas an den Wertmaßstäben unserer Gesellschaft nicht stimmt.

    Bzw. erinnert mich das an das Buch „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley – vieles, was da drin steht, ist von beängstigender Aktualität…

  3. Nun ja, ich denke der Grund, warum die sogenannten Qualitätsmedien diese Bücher und Filme so schlecht bewerten ist, dass sie einfach schlecht sind. Stephanie Meyer schreibt nunmal nicht gut. Das einzige Medium, das diese Albernheiten unkritisch propagiert, ist die BILD (die Bravo erwähn`ich lieber nicht). Das dürfte allerdings der Popularität der genannten Bücher und Filme mehr geschuldet sein als deren Inhalt.

    Du wirst in der WELT, SZ oder einer sonstigen Zeitung die ein tatsächliches Feulieton hat, auch keine positive Rezension zu den unsäglichen Büchern Rosamunde Pilchers oder deren unzähligen Verfilmungen finden( Und die von dir erwähnten tiefen Gefühle kommen da auch vor), oder nimm Ludwig Ganghofer. Oder meinetwegen Dan Brown, John Grisham und Ken Follett. Die werden in diesen Zeitungen nur erwähnt wegen dem Erfolg, den sie haben oder hatten. Der Erfolg ist allerdings kein Qualitätsmerkmal. eher im Gegenteil, die meisten gutverkauften Bücher sind grottenschlecht. Die wirklich guten Bucher an den Spitzen der Bestsellerlisten sind die Ausnahmen, die eben diese Regel bestätigen.

    Diese Bücher und Filme werden verissen, weil sie schlecht sind, und nicht weil sie Enthaltsamkeit vor der Ehe propagieren!

    P.S.: Ich habe den Springerverlag noch nie verteidigt, aber die WELT als links zu bezeichnen grenzt ja schon fast an Verleumndung. Das würde Herrn Döpfner gar nicht gefallen!

  4. Über die Qualität der Bücher von Stephenie Meyer kann ich ehrlich gesagt überhaupt nichts sagen – ich habe sie nicht gelesen und kenne von der „Twilight“-Saga nur die Verfilmungen.

    Die Qualität literarischer Erzeugnisse zu bewerten hat vielfach auch mit persönlichen Geschmacksfragen zu tun. Ich empfand es schon in meiner Schulzeit als überheblich, als unser Deutschlehrer uns zu einer Projektarbeit über so genannte „Trivialliteratur“ verdonnert hatte (es ging dabei um Bastei-Heimatromane). Mag sein, dass vom literaturwissenschaftlichen Standpunkt aus etwa Innerhofers „Schöne Tage“ problemlos als qualitativ hochwertiger nachgewiesen werden kann – ich kann trotzdem jeden verstehen, der lieber die Heftchen liest… ich höre ja zB auch lieber Countrymusik als das sozialkritische Geklampfe irgendwelcher deutscher Liedermacher aus den 70ern…😉

    Dass „Twilight“-Filme möglicherweise den Anhänger des experimentellen Undergroundkinos nicht ansprechen werden, war zu erwarten, davon konnte allerdings auch jeder Filmkritiker ausgehen, der sich bereit erklärte, im Auftrag irgendeines Organs der so genannten „Qualitätspresse“ den Streifen zu besprechen. Um seriös rüberzukommen, hätte man ja auch eine kritische Besprechung abliefern können, die nicht mit dem Holzhammer zugange ist. Und wenn die Kernaussage der Kritik lautet:

    „In der blutleeren „Twilight“-Fortsetzung „New Moon“ siegt wieder die Vernunft über den Sex. Und das nervt.“

    … dann ist das für meine Begriffe doch etwas sehr schlicht.

    Ich nehme gerne Wetten darauf an, dass die bevorstehende Premiere des neuen Til-Schweiger-Films in den gleichen Publikationen, die jetzt „New Moon“ verrissen hatten, wesentlich freundlichere Rezensionen nach sich ziehen wird. Und ich denke, in der Einschätzung, dass sich das künstlerische Niveau dieses Films jedenfalls nicht über dem der Stephenie-Meyer-Verfilmungen bewegen wird, dürften wir übereinstimmen.

    Ich hatte die „Welt“ früher gerne gelesen – vor allem in meiner Schulzeit, in der Zeit zwischen Mauerfall und Schulabschluss 1991 hatte ich sie täglich gelesen.

    Wenn ich jetzt auf WELT online gucke, ist von einer konservativen Zeitung nicht viel übrig… dafür sehr viel Boulevardeskes und Profanes…

  5. Ich möchte die WELT noch nie, lese eigentlich nur SZ, die mir journalistisch und vor allem stilistisch am ehesten zusagt.

    Auch Til Schweigers KEINOHRHASEN wurde in den genannten Zeitungen verrissen, obwohl er keine Keuschheit propagiert! Auch dem Nachfolgestreifen wird es wohl so ergehen. Hat sich nicht Til Schweiger letztens in irgendeinem Interview sogar über die deutsche Kritikerschar beschwert, die seine Filme entweder links liegen lässt oder nur negativ rezensiert?

    Ich glaube, daß sich ästhetisch minderwertige Bücher heutzutage durch Sex und Filme durch Gewalt auszeichnen müssen um etwas von ihrer Trivialität abzulenken und beachtet zu werden!
    Twilight macht das nicht und bleibt eben belanglos. Erstaunlich ist deshalb der Erfolg dieser Bücher, aber eine Kampagne gegen Keuschheit steckt mit Sicherheit nicht dahinter!

    In meinem LK Deutsch wollte eine Mitschülerin „Die Päpstin“ vorstellen. Unsere Lehrerin untersagte es. Und das mit Recht: Auch für derart individuelle Werke wie Bücher gibt es objektive Qualitätsmerkmale. Die sind für einen Großteil der Leser unerheblich aber Kulturjournalisten und Deutschlehrer sollten sich doch danach richten; wenn nicht die wer dann!

  6. Also was „Zweiohrküken“ anbelangt, habe ich mit meiner Wette schon mal was den SPIEGEL anbelangt zumindest ein Unentschieden erreicht:

    http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,664998,00.html

    Im Vergleich zur „New Moon“-Rezension an gleicher Stelle war diese ja nicht nur wesentlich freundlicher, sondern auch differenzierter und der Filmkritiker zeigte sich bereits durch Details augenscheinlich zu intensiver Reflexion angeregt.

    Möglicherweise ist die Analyse irgendwelcher Schlüpfrigkeiten eine Kernkompetenz heimischer Filmkritiker – diese konnte „Twilight“ nun mal nicht ansprechen.

    Na ja, „Kulturjournalist“ klingt für diese Gattung von Schreibern dann aber doch ein wenig hochtrabend.🙂

  7. […] für die entdeckung der eigenen bedürfnisse und eines sozialistischen bewusstseins. die jungfräulichkeit ist – ebenso wie das kopftuch bei muslimen – das hakenkreuz derer, die sich auf grund […]

  8. Da fragt man sich beim lesen ja schon, ob man nicht irgendwie auf den Kopf gefallen ist.

  9. *lol* Normalerweise schalte ich Spamkommentare dieser Art nicht frei, aber das war echt ein netter Versuch.🙂

  10. Es war interessant, die Beiträge zum Artikel zu lesen. Es zeigt auf, dass man sich über alles streiten kann, und jeder eine eigene Meinung hat (bestenfalls).
    Fakt ist, dass die Trilogie sich nicht in die Riege bedeutungsvoller Literatur (ob mit oder ohne Beschreibung von Gewalt) einreihen läßt. Sie ist ganz klar auf ein sehr junges, pubertäres und WEIBLICHES Publikum ausgelegt. auch solche Literatur hat ihre Berechtigung. Sie ist keine Doktrin. Ich bin kein Fan dieser Bücher, fand sie sehr belanglos und stilistisch flach. Sie jetzt als Propaganda für „kein Sex vor der Ehe“ zu benutzen, zeigt ebenfalls, wie krank unsere Gesellschaft ist. Wir haben nicht nur die Sensibilitätt für Gewaltdarstellungen verloren, sondern auch den Realitätssinn. Vor allem aber den Sinn für gute Literatur, wenn schon so viele „Erwachsene“ dieses Phänomen diskutieren müssen.

  11. Danke für Deinen Beitrag, Ti. Ich habe wie gesagt die Bücher nicht gelesen. Meine Freundin ist 19 und gehört somit noch zur Hauptzielgruppe, ohne sie (und möglicherweise auch ohne die gehässigen Pressekommentare, die mich dazu veranlasst hätten, den Film aus Trotz zu gucken) hätte ich mich mit dem Thema vermutlich gar nicht weiter befasst, da ich es wahrscheinlich nicht mitgekriegt hätte, dass es eine solche Saga überhaupt gibt.

    Die Debatte zeigt in der Tat, dass irgendetwas nicht stimmt. Üblicherweise denkt man, dass an Büchern, die in erster Linie zum Zwecke der Unterhaltung und nicht mit irgendeinem literarischen oder meinungsbildenden Anspruch geschrieben werden, niemand ernsthaft Anstoß nehmen könnte. Entweder man liest sie oder man lässt es eben sein.

    Dem ist aber offenbar nicht so. Wie es aussieht, gibt es Kreise, die gerne bestimmen möchten, wie Erzählungen der Belletristik auszusehen haben und wie nicht. Wenn Romanfiguren in „Twilight“ enthaltsam leben, wird dies als Skandal betrachtet, weil man nicht wünscht, dass sich junge Leserinnen daran ein Beispiel nehmen. Irgendwie erinnert mich so etwas an die Kulturpolitik der DDR, wo staatliche Organe den Kulturschaffenden „Anregungen“ gaben, wie diese ihre Literatur „passender“ ausgestalten könnten bzw. sollten. Da sollte etwa die Hauptfigur klassenbewusster Teil der Arbeiterklasse sein und zB nachträglich eine Szene ins Manuskript geschrieben werden, in der diese sich mit ihren Arbeitskollegen zusammensetzt und in positiver Weise über irgendein gewerkschaftliches Anliegen spricht. Kam der Autor solchen „Anregungen“ nicht nach, konnte dies für seine Karriere unangenehme Folgen nach sich ziehen.

    Heute wird Anstoß genommen an enthaltsamen Vampiren oder an Kinderbüchern, die nicht ausreichend der Gender-Ideologie entsprechen oder keine ausreichenden Quoten für zu privilegierende Minderheiten aufweisen.

    Es ist in dieser Situation schwer, NICHT Huxleys „Schöne neue Welt“ heraufziehen zu sehen…

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