loyalbushie

‚Ich bin dem Bischof sehr dankbar für diese klare Stellungnahme‘

In Tagesgeschehen on Februar 19, 2010 at 8:39 am

… und ich bin Ministerin Beate Merk sehr dankbar für die klaren Worte der Solidarität.

kath.net berichtet wie folgt:

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) hat den Augsburger Bischof Walter Mixa nach dessen Aussage zum sexuellen Missbrauch von Kindern in Schutz genommen. «Selbstverständlich hat die Freizügigkeit dazu beigetragen, die Hemmschwelle zu senken», sagte die CSU-Vizechefin der «Süddeutschen Zeitung» (Freitag). Mixa hatte mit der These für Aufregung gesorgt, wonach eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahrzehnten mit Schuld trage an den Missbrauchsfällen. Dieser Trend habe auch abnorme sexuelle Neigungen eher gefördert als begrenzt, so der Bischof.

Merk sagte, der Kindesmissbrauch durch Geistliche habe «natürlich auch noch andere Gründe» als die sexuelle Revolution – «aber das war ja nicht die Frage». Sie sehe in Mixas Worten «keine unglückliche Formulierung, sondern den Versuch einer Erklärung». Die Justizministerin wörtlich: «Ich bin dem Bischof sehr dankbar für diese klare Stellungnahme, weil es nach wie vor Tabu ist, über sexuellen Missbrauch zu sprechen und weil uns jede öffentliche Diskussion weiterbringt und den Opfern hilft.» Zuvor hatte auch der Bischof von Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, die Frage aufgeworfen, «inwieweit die Übersexualisierung unserer Gesellschaft mitverantwortlich ist, krankhafte Auswüchse zu fördern».

  1. *Haarerauf* neee-da kann ich ja mal wieder gar nicht zustimmen, weil der Bischof schlicht danebenhaut mit seiner Aussage.
    Sexuellen Kindesmißbrauch hat es schon immer gegeben und wird es vermutlich auch immer geben. Aber erst so vor 30-40 Jahren wurde das hier ein Thema, über das man sprechen durfte. In der Folgezeit gab es dann auch ein paar Auswüchse, wenn Kindergärtnerinnen nach einem Wochenendseminar meinten, Diagnosen stellen zu können, aber mittlerweile ist der Umgang damit professioneller geworden.
    Die katholische Kirche allerdings hat es offensichtlich versäumt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und hat in ihrem verkrampften Umgang mit dem Thema Sexualität diese Verbrechen tunlichst übersehen wollen. Sie ist doch wohl der Ort, an dem die sog. „sexuelle Revolution“ die wenigstens Auswirkungen hatte, oder?
    Und sowieso nicht gerade eine Institution die offenen Umgang mit Fehlverhalten von Mitgliedern pflegt.

    Ich denke, die Kirche lernt daraus und der Papst hat sich auch in einer Art und Weise geäußert, dass ich sein Entsetzen sehr ernst nehmen kann, während ich beim Bischof Mixa finde, dass er die Verantwortung von sich weist.

    Verbrechen derartiger Natur in der Institution Kirche haben vermutlich mit der enthemmten Gesellschaft außerhalb so gut wie nichts zu tun (zumal die jetzt bekannt gewordenen Vorfälle ja Jahrzehnte zurückliegen, lange bevor alles solche Ausmaße angenommen hatte).

    Natürlich will ich damit nicht schön reden, was gesellschaftlich angerichtet wurde durch die Enttabuisierung von nahezu allem. Aber der Kindesmißbrauch dadurch äußert sich m.E. ganz anders, nämlich durch die viel zu frühe Sexualisierung von Kindern, kleinen Mädchen im Disco-Style, geschminkt, parfümiert und wenn man mit 11 noch Jungfrau ist, ist man spät dran.😦. Dadurch wird den Kindern einfach Kinderzeit geklaut, die sie brauchen und es wird uns allen versucht, ein großes Stück unserer Würde zu nehmen.

    Mag auch sein, dass sich dadurch Perverse in der normalen Gesellschaft eher zur Tat getrieben fühlen – den Mißbrauch wie wir ihn aber normalerweise verstehen, den haben wir wie gesagt schon immer gehabt. Jahrhunderte, Jahrtausende – immer wenn Sexualität auch eine Machtfrage war und Kinder und Frauen keine Rechte genießen. Sexualstraftaten haben ja auch statistisch nicht zugenommen. Denn die “ gesellschaftliche Entblößung“ ist ja keine Straftat.

    http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2010/02/17/aschermittwoch-die-zweite-bischof-mixa-hat-was-nicht-verstanden/

    Grüße von Meryem

  2. Ich sehe keinen „verkrampften Umgang“ der Kirche mit der Sexualität. Es gibt ein sehr schönes Dokument zu dem Thema, das eigentlich alles über einen verantwortungsvollen, positiven Umgang damit aussagt, nämlich die Enzyklika „Humanae vitae“ Papst Pauls VI., die leider nicht von allen kirchlichen Gliederungen die Unterstützung erfahren hatte, die sie verdient hätte.

    Dass die aktuellen Fälle ausgerechnet im Jesuiten-Orden, der in letzter Zeit eher „fortschrittliche“ Exponenten wie Heiner Geißler oder Klaus Mertes hervorgebracht hatte, aufgetreten waren, könnte als Anlass zu einer klammheimlichen Schadenfreude gesehen werden.😉

    Grundsätzlich hat – und da hat Bischof Mixa völlig Recht – die bewusste Zerstörung traditioneller Sexualmoral und die Erziehung zur völligen Würdelosigkeit in diesem Bereich, wie sie die „sexuelle Revolution“ hervorgebracht hatte, die Hemmschwellen gesenkt. Dass irgendwelche Priester, die an katholischen Internaten gelehrt hatten, sich an Kindern vergingen, mag in der Tat nicht dadurch begründet sein, dass es außerhalb der Kirche die sexuelle Revolution gab. In erster Linie war es die Entscheidung des einzelnen Täters selbst, seine Autorität und das Vertrauen der Eltern und der Kinder dazu zu missbrauchen, dass er mitbekommen hat, dass es draußen eine „sexuelle Revolution“ gab, mag sein Unrechtsbewusstsein dabei vermindert haben…

    Was die aktuelle Debatte anbelangt, gilt zwar mein ungeteiltes Mitgefühl den tatsächlichen Opfern, die es zweifellos gegeben haben dürfte. Ich werde aber stutzig, wenn ich in den Nachrichten höre, dass sich jeden Tag mindestens 10-20 Betroffene melden sollen und über Fälle aus den 70er- und 80er-Jahren berichten. Und wenn dann in der gleichen Nachricht das Wort „Entschädigung“ fällt. In diesem Moment kommen mir ketzerische Gedanken und ich denke mir, wenn ich mit 15, wie ich mal daran gedacht hatte, für die letzten Schuljahre aufs katholische Internat gegangen wäre, könnte ich mich eventuell jetzt auch „wieder erinnern“ und mir auf diese Weise ein kleines zusätzliches steuerfreies Aktiveinkommen verschaffen… bei der derzeitigen Meinungsmache würde dann sicher auch für mich was abfallen, auch wenn ich bloß ein paar pubertäre Phantasien auswälzen würde, wie sie Jungs in dem Alter ab und an untereinander austauschen, wenn ihnen auf der Klassenfahrt im Bus langweilig ist…

    Na ja, meine letzten Schuljahre auf meiner Schule, an der ich tatsächlich geblieben war, waren dann doch so schön, die könnte das Geld nie und nimmer aufwiegen.

    Ich muss zu dem Thema aber auch noch mal auf die revolutionäre Analyse des bluthilde-Blogs verweisen, die am Ende in eine revolutionäre Diskussion gemündet hatte, die ich dem werten Leser nicht vorenthalten möchte: http://bluthilde.wordpress.com/2010/02/08/knabenmissbrauch-bei-den-jesuiten-eine-polit-deutung/

    Sehr erhellend zu dem Thema auch das hier: http://unterlinken.de/2010/02/19/

    Vielleicht sollten sich pädophile Priester einfach umschulen lassen zum Sportlehrer, Bravo-Redakteur, Grünen-Politiker, Aktionskünstler oder Hollywood-Regisseur: Dann könnten sie ihrer Neigung nachgehen, ohne dass die veröffentlichte Meinung daran Anstoß nehmen würde.😉

  3. Der sexuellen revolution, die es ja bei geistlichen ohnehin nie gegeben hat, für Mißbrauchsfälle verantwortlich zu machen ist schon frech. Aber das kennt man ja zu Genüge von der katholischen Kirche: Vertuschen, versetzen, und wenns doch rauskommt, sind die armen Priester doch nur Opfer der Gesellschaft!
    Es ist zum Kotzen, hier wird der Bock zum Gärtner gemacht: Kindesmißbrauch ist ja nicht so schlimm in einer Welt in der es vor vor- oder außerehelichem sex nur so wimmelt, nicht wahr, herr MiXA? Ist es vieleicht meine Schuld, den auch ich hatte Sex, bevor ich verheiratet war? Habe ich dadurch Kindesmißbrauch gebilligt?
    Und den Umgagng der Kirche mit Sexualität als unverkrampft zu bezeichnen ( Sorry loyalbushie) ist auch jenseits aller Subjektivität falsch!

  4. Nee, bushie, das ist alles nicht zum Lachen. Und diese Taten sind verjährt, also wird auch das Thema Entschädigungen keine Rolle spielen. Weißt Du, solange man das nicht ernst nimmt, wird sich nichts ändern. Las neulich einen Leserbrief, in dem ein ehemaliger Ministrant meinte, seine Bubenseele hätte keinen Schaden genommen, wenn der Mesner beim Umziehen gegrabscht hätte – man sei ihm halt aus dem Weg gegangen und selber mit dem Gewand fertig geworden….

    Mag sein, dass die Jungs drüber gekichert haben und nichts Schlimmeres passiert ist. Aber wer weiß, was der Herr noch so angestellt hat? Wenn dann die Beschwerden der Jungs so lapidar abgetan werden, wie Du es tust, dann gibt es keinen vernünftigen Umgang mit dem Thema.

    Es ist im Übrigen auch gar keine Ausnahme, dass sich Opfer solcher Machenschaften erst nach Jahrzehnten äußern. Weil sie es verdrängen oder aus Angst vor genau solchen Reaktionen.

    Was PaulVI dazu gesagt hat, hab ich noch nicht gelesen, allerdings war er der Papst mener Kindheit und ich hab davon nichts gemerkt. Die Kirche meiner katholischen Jahre war so verklemmt, dass ich großes Glück hatte – kein Umgang mit dem Thema hat eben auch keine Schuldgefühle hinterlassen. Es gab das Ganze schlicht nicht.

    Die Kirche muss einen anderen Umgang mit dem Thema finden. Mal abgesehen vom unsinnigen Zölibat, den sie ja wohl nicht überdenken will – sie trägt an vielen Stellen Verantwortung für andere Menschen und muss deshalb ihre Ordensleute und natürlich auch andere Mitarbeiter auf Felhlverhalten hin beobachten und ihnen gleichzeitig die Möglichkeit geben, auch loszuwerden, wenn sie was belastet. Und dann auch Konsequenzen ziehen. Kein Mensch glaubt heute noch, dass innerhalb der Kirche nur Heilige leben, auch wenn es dort ganz viele engagierte Menschen gibt, sie sind fehlerhaft und ihre Mutterorganisation muss dafür Verantwortung übernehmen.

    Grüße Meryem

  5. „Und den Umgagng der Kirche mit Sexualität als unverkrampft zu bezeichnen ( Sorry loyalbushie) ist auch jenseits aller Subjektivität falsch!“

    Ja, aber wie soll denn dann bitte der „objektiv unverkrampfte“ Umgang aussehen? Charlotte-Roche-Talk am Essenstisch? „Papa, ich bin zoophil!“ – „Kein Problem, mein Junge, solange Du ein Kondom verwendest“? Wer bestimmt die Maßstäbe, wo es offenbar keine mehr gibt?

    Dass die Kirche sich dieser Form des Umgangs mit diesem Thema bislang (und hoffentlich auch weiterhin) verweigert, hat gute Gründe und die von mir bereits vorhin erwähnte „Humanae vitae“-Enzyklika stellt aus meiner Sicht eine sehr gute Grundlage dar, um sich dem Thema Sexualität zu nähern. Aber die Kirche kann nicht aus Jux und Dollerei und weil sie dadurch nicht angegriffen wird mit den Wölfen heulen und Verhaltensweisen, die problematisch sind, als unproblematisch hinstellen.

    @ meryem

    Ich nehme das Thema durchaus Ernst und ich habe auch gesagt, dass ich mir vorstellen kann, dass manche der Berichte tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Ich schließe aber auch Trittbrettfahrerei nicht aus (und je später bzw. je mehr Personen sich melden, umso skeptischer werde ich) und ich gehe mit der Sicherheit, mit der morgen die Sonne aufgehen wird, davon aus, dass Entschädigungszahlungen fließen werden – Verjährung hin oder her.

    Außerdem gibt es – und bei nichtkirchlichen Tatverdächtigen wird darauf auch peinlichst genau geachtet – auch eine Unschuldsvermutung. Solange ein Mensch einer strafbaren Handlung nicht rechtskräftig überführt ist, darf er auch nicht behandelt werden, als wäre er es. Ihn zu versetzen ist da bei Verdachtsfällen ein Schritt, der diesem Prinzip genügt, aber gleichzeitig angebliche oder wirkliche Opfer schützt.

    Würde dies nicht beachtet, könnte jedermann jederzeit jeden, dessen Gesicht ihm nicht gefällt, in seiner Existenz ruinieren, indem er bloß behauptet, von ihm missbraucht worden zu sein.

    Auch ist die Kirche gar nicht befugt, Verfahren wegen staatlicherseits zu ahndender Gesetzesübertretungen durchzuführen. Das war bei Williamson schon so, das ist jetzt auch so. Ein Verstoß gegen staatliche Gesetze ist vom Staat zu untersuchen und zu ahnden. Komisch, dass oft genug gerade von den Leuten, die sonst schon im Glockenleuten eine Verletzung der Trennung von Kirche und Staat erblicken, der Kirche vorgeworfen wird, nicht genügend zu sanktionieren. Ich meine damit jetzt nicht Euch beide, aber man braucht bloß eine Zeitung aufzuschlagen und weiß, worauf ich anspreche.

    Was den Zölibat betrifft: Bei den Protestanten, egal ob landes- oder freikirchlich, gibt es ihn nicht. In der Katholischen Kirche ist er eben seit Jahrhunderten Tradition. Einen zwingenden biblischen Grund vermag ich dafür nicht zu benennen, andererseits spielen in der RKK eben auch Tradition und Lehramt eine wesentlich Rolle und als Katholik sage ich dann: Das ist nun mal so. Progressive sollten glücklich darüber sein, er hat jedenfalls schon mal mich als potenziellen Priester verhindert.🙂

    Objektiv gesehen finde ich, dass jeder, der katholischer Priester werden möchte, wissen sollte, worauf er sich einlässt. Wer es nicht schafft, zölibatär zu leben, sollte die Funktion besser gar nicht erst anstreben. Es gibt auch andere Möglichkeiten, in der Kirche zu wirken. Und wer gar nicht damit klarkommt, kann sich ja immer noch (als theologisch Liberaler) in Richtung einer evangelischen Landeskirche oder (als theologisch konservativer) in Richtung einer Freikirche orientieren.

  6. Servus,
    es geht doch nicht darum, hier jetzt Vorverurteilungen Einzelner zu treffen, sondern darum, wie die Institution Kirche mit dem Thema umgeht. Und-da ist sie nicht anders als andere Instititutionen – sie ist bisher damit umgegangen indem sie vertuscht und verleugnet hat. Wahrscheinlich ist sie darin viel perfekter, als andere Organisationen es je sein könnten, durch jahrhundertelange Praxis.

    Tschuldigung-was Paul VI da gesagt hat in allen Ehren – aber wir reden hier doch nicht von ehelicher Sexualität. Es hilft kein Weggucken: in der Kirche gibt es Schwule – vielleicht sogar mehr als durchschnittlich und es gibt Pädophile.
    Und – wie ich in meinem blog schrieb – ich gehe mal davon aus, dass diese Männer nicht Priester oder Ordensbrüder werden, weil sie denken, sie könnten dann ungehemmt Party machen. Vielleicht denken sie, sie könnten gerade durch zölibatäres Leben das überwinden, was religiös und/oder strafrechtlich problematisch ist. Genauso wie ich denke, dass Otto Normalpriester nicht mit dem Vorsatz, das Zölibat nicht einzuhalten, Priester wird. Man kann seine Schwäche leicht unterschätzen.

    Das Problem liegt doch darin, dass die Kirche nicht reagiert hat, trotz aller Warnzeichen. Oder eben mal jemanden versetzt, in der Meinung die Angelegenheit sei damit erledigt.

    Da ist sie nicht anders als Sportvereine, Kinderheime u.a., die zur Vertuschung neigen – aber ich finde, dass die Kirche schon eine besondere Verantwortung hat und sich eben heutzutage nicht mehr so verhalten darf. Deshalb gefiel mir auch Papst Benedikts Reaktion darauf.

    Das hat doch nichts damit zu tun, dass man nicht jede blödsinnige Verirrung mit seinen Kindern diskutieren soll.
    Da bin ich ganz Deiner Meinung: „normal“ zu sein ist ja schon gar nicht mehr angesagt, wenn man bestimmte Fernsehsender anschaut.
    Aber genauso wie ich finde, dass man trotzdem für seine Kinder ein offenes Ohr haben muss, falls sie mit irgendwelchen persönlichen Eigenarten in Schwierigkeiten geraten, finde ich, dass die Kirche das mit ihren „Kindern“ – den Menschen die ihr anvertraut sind, oder die sich ihr durch ein geistliches Leben anvertraut haben, tun muss.

    Es gibt nun mal Menschen, die durch bestimmte Veranlagungen geprüft werden und die sind meistens nicht „heilbar“, sondern müssen damit leben und zwar, ohne anderen zu schaden. Wenn ich also für diese Leute Mitverantwortung trage, dann muss ich mithelfen, dass sie keinen Schaden anrichten können und auch mit sich selber ins Reine kommen können.

    Ignorieren und totschweigen hilft da nun so gar nicht, das sehen wir doch nun.

    Grüße, Meryem

  7. Ja aber was soll sich denn konkret ändern? Ich glaube kaum, dass auch nur ein Priesteramtskandidat, der homo oder pädo veranlagt ist, darüber mit seinem Orden oder mit den Institutionen, in denen er eingesetzt werden soll, freiwillig sprechen wird. Fragen nach so etwas sind nach geltendem Arbeitsrecht auch verboten, egal ob es ein kirchlicher oder ein staatlicher oder ein privater Betrieb ist. Und dass er von selbst auf seine Vorgesetzten zukommt, wird kaum passieren.

    Man wird solche Fälle daher kaum vollständig verhindern können, egal ob es in der Kirche, im Kinderheim oder im Sportverein passiert. So lange es Vertrauens- oder Autoritätsverhältnisse gibt, wo Erwachsene mit Kindern zu tun haben, ist die Gefahr vorhanden, dass Missbrauch geschieht. Da ist es wichtig, genau hinzusehen und seinen Kindern klar zu machen, dass sie alles sofort zu Hause berichten sollen, wenn ihnen etwas eigenartig vorkommt. Umso bescheuerter ist aber auch die neue Idee selbst ernannter Gender-Apostel, den Männeranteil unter Erziehern in Kindergärten und Horten mithilfe irgendwelcher staatlicher Maßnahmen zu erhöhen.

    Ich persönlich hätte überhaupt kein Problem damit, durch De-Koedukation, also stärkere Geschlechtertrennung zB im Schulunterricht oder in Freizeiteinrichtungen, die Gelegenheiten zum Missbrauch zu verringern. Bzw. durch Akzeptanz von Homeschooling, da auf diese Weise ja auch die elterliche Kontrolle darüber stärker bleibt, wer wann die Kinder betreut.

    Wo sonst irgendetwas passiert, muss den Kindern klar gemacht werden, dass sie so etwas erzählen müssen und wenn es einen Verdacht gibt, muss es auch umgehend eine Anzeige geben. Sobald der Staatsanwalt befasst ist, arbeitet die Kirche auch problemlos mit ihm zusammen.

    Dass jedoch der herrschende Zeitgeist Kindesmissbrauch durch Kleriker und Kindesmissbrauch im Rahmen der „sexuellen Revolution“ mit unterschiedlicher Elle misst, ist evident. Befürworter der Letzteren wie der Filmregisseur Roman Polanski, der „Künstler“ Otto Mühl, der Europaabgeordnete Cohn-Bendit oder die Grünen als Partei, die einst sogar noch offen die Straffreiheit von Sex mit Kindern in Wahlprogrammen gefordert hatte, genießen in genau denselben Kreisen allerhöchstes Ansehen, die heute gerne bei jeder Gelegenheit die Katholische Kirche anprangern. Oder man denke bloß an die Krokodilstränen über Marco aus Uelzen vor 2 Jahren…

  8. Grüß Gott,
    na das wir uns da nicht uneinig sind, ist doch klar. Aber ebenso klar ist doch, dass die Kirche absichtlich weggeschaut hat. Also einer der betroffenen Priester hat ja, so die Medien, selber einen Brief an seine Vorgesetzten geschrieben, in denen er quasi vor sich gewarnt hat. Oder wie oft ist es passiert, dass man jemanden einfach nur versetzt hat? Das muss sich ändern.
    Dann muss man die Leute eben – sofern nicht sowieso schon was strafrechtlich Relevantes passiert ist – dahin versetzen wo sie ganz sicher nicht mit Kindern arbeiten.

    Bischof Mixa weist in seiner Stellungnahme die Verantwortung der Kirche sozusagen von sich und das ist das Problem. Man kann nicht alle „erwischen“, bevor was passiert ist, schon klar. Man kann aber auch als kirchlicher Arbeitgeber ein offenes Auge dafür haben, ob denn die jungen Männer dafür geeignet sind, als Erzieher o.ä. eingesetzt zu werden. Und man kann eine Atmosphäre schaffen, dass die Kinder sich auch trauen können, sich anzuvertrauen. Gerade Internatskinder sind ja nun mal eben nicht in der Nähe ihrer Eltern.

    Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass bei entsprechendem Verhalten der Vorgesetzten es nicht aufgefallen wäre, dass was stinkt.

    Na so Gott will lernen sie draus.

    Grüße, Meryem

  9. Das mit der eigenen Atmosphäre im Internat hat natürlich was für sich, vor allem war es vor 20-30 Jahren noch so, dass man als Internatsschüler weitgehend von der Außenwelt abgeschottet war. Manchmal frage ich mich generell, wie wir die Zeit damals eigentlich ohne Handy und Internet überstehen konnten…

    Heute tragen diese Entwicklungen dazu bei, dass negative Entwicklungen schon früher entdeckt und wirksamer bekämpft werden können. Von daher dürfte sich das Problem tendenziell von selbst entschärfen. Außerdem haben Internatsbetreiber selbst ein eminentes Interesse daran, Vorkommnisse dieser Art zu vermeiden. Sie leben schließlich vom Geld der Eltern…

  10. Die Frau meyremdeutschemuslima wirft also der katholischen Kirche einen verkrampften Umgang mit der Sexualität vor? Und der Islam reitet wahrscheinlich ganz oben auf der Welle der feinsten, entspanntesten sexuellen Aufklärung.

    Ich will hier, als leidenschaftlich bekennendes Mitglied der katholischen Kirche mal eins klar feststellen. Nur, weil man eine ganz klare Einstellung zum Umgang mit der eigenen Sexualität hat, heisst das überhaupt nicht, dass dieser Umgang verkrampft ist. Ich schätze mal, Frau Deutschmuslima, dass Ihnen meine Offenheit desöfteren mit Leichtigkeit die Schamesröte ins Gesicht treiben würde, wenn ich das wollte. Nichtsdestotrotz zähle ich mich einstellungsmäßig zu den Hardlinern und das gerne (was das genau bedeutet, müsste man an anderer Stelle lange ausführen) und ich bin nicht bereit auch nur ein „Jota“ vom Gesetz aufzugeben.

    Weder Dein Islam, Frau Deutschmuslima, noch Deine aufgeklärte deustche Gesellschaft haben zu einem wirklich unverkrampften Umgang mit ihrer Sexualität gefunden. Beim Islam zeugt davon weitgehendes, ausgeprägtes Machogehabe den Frauen gegenüber, bei der deutschen Gesellschaft weitgehende, krampfhafte Versexung des gesamten menschlichen Lebens (und da hat Bischof Mixa völlig Recht). Weite Teile der deutschen Gesellschaft gebärden sich verschämt kichernd, wie im Sexualkundeunterricht der 6ten Klasse, wenn sie auch nur der entferntesten Assoziation zur menschlichen Genitalität begegnen.

    Sicher gibt es auch immer wieder Menschen, bei denen das alles nicht zutrifft. Gerade deshalb verbitte ich mir aber solche ständigen Pauschalurteile wie: „Die katholische Kirche“. Vor allem, wenn frau, wie Sie, de facto wenig bis gar keine Ahnung von der katholischen Kirche haben.

    Die Kirche ist von ihrer reinen Lehre her vollkommen unverkrampft, weil sie schlicht klar und entschieden ist. Liberalität ist dagegen von ihrem Wesen nicht automatisch krampflos. Und, dass jetzt viele Missbrauchsfälle bekannt werden und woanders nicht, heisst nicht, dass es die da nicht gibt (wenn es nach Statistiken ginge und die Thesen von Frau Deutschmuslima stimmen würden, würde das nämlich bedeuten, dass nichtzöllibatäre Kreise sexuell weitaus verkrampfter wären), sondern zeigt eindeutig, wer heutzutage seine dringend erforderlichen Hausaufgaben macht.

    Zu sagen: „Die katholische Kirche hat einen verkrampften Umgang mit Sexualität“ betrachte ich als persönliche Beleidigung!

    Der deutsche Michel

  11. Hach, welch freundlicher Ton! Ob ich Ahnung von der katholischen Kirche habe können Sie, Michel, nicht beurteilen. Zufällig bin ich nämlich in dieser aufgewachsen. Vielleicht hat sie sich geändert, denn das ist schon ein Weilchen her.

    Und was soll ansonsten die Aufregung? Wie kommt es denn Ihrer Meinung nach dazu, dass sich die Kirche so schwer tut, diesen Verbrechen nachzugehen? Dass sie nicht nur in Deutschland sondern bekanntermaßen auch in vielen anderen Ländern über Jahrzehnte vertuscht hat, was dort an Mißbrauch von Kindern stattgefunden hat?

    Wenn es nicht „Krampf“ im Umgang mit sexuellen Themen ist, was ist es dann, dass es zulässt dass sich Verbrecher über viele Jahre im Rahmen der Kirche tummeln können, es Signale genug gegeben hat und nichts passiert ist?

    Also ich bemüh mich hier um eine ernsthafte Diskussion und einen angemessenen Tonfall und konnte leider nicht ahnen, dass man sich derartig mit einer Institution identifiziert, dass man sich persönlich angegriffen fühlt, wenn diese kritisiert wird.

    Es ist auch nicht hilfreich, wenn man dann „ätschebätsche“ mit dem Finger auf andere, in diesem Fall Muslime zeigt. Erstens hat der Islam keine vergleichbare Institution,zweitens reden wir gerade nicht über zweifellos vorhandene Macho-Allüren, drittens hat der Islam sehr wohl einen unverkrampften Umgang mit Sexualität. Zu Zeiten unseres Propheten Muhammed, Friede und Segen sei mit ihm, haben sich die Frauen der Gemeinde ohne Scheu an ihn wenden können um Fragen zu diesem Thema zu stellen. Genauso wie es qualifizierte Frauen gab, die weiterhelfen konnten, wenn frau sich das nicht getraut hat.

    Und was Moralregeln angeht, da haben wir ja wohl keinen Konflikt.

    Also dann bitte abregen und eine andere Erklärung für die Vertuschungen liefern.

  12. Es ist auf alle Fälle weitaus differenzierter zu betrachten! Für wesentlich halte ich aber folgende Aspekte:

    1. Man versuchte kirchenintern die Missbräuche immer schon abzustellen. Die Tragik besteht lediglich darin, dass Versetzungen da oft nicht ausreichten, oder so dämlich geplant wurden, dass der nächste Missbrauch nur eine Frage der Zeit war.

    2. Man tat in erster Linie nicht mehr, weil man die Mitbrüder schlichtweg liebte, auch dann noch, wenn sie schuldig geworden waren. Diese wollte man nicht ans Messer einer kirchenfeindlichen Gesellschaft liefern.
    Ein ähnliches Phänomen gibts übrigens ganz offensichtlich auch in den Reihen des Islams, sonst gäbe es längst keine Selbstmordattentäter mehr und die sind nicht weniger Verbrecher als Kinderschänder.

    Was könnten Sie uns denn ansonsten weiterhin raten, um zu einem unverkrampfteren Umgang mit Sexualität zu finden? Sie haben ja da von einer Jahrhunderte alten islamischen Tradition geschrieben, die, wie Sie sagen, sogar auf den Propheten Muhammed zurück geht.

  13. Servus,
    das (ein) Problem mit den Selbstmordattentätern ist ja gerade, dass wir keine der Kirche vergleichbare Institution haben.
    Das hat nun mal Vor- und Nachteile, einerseits entsteht nicht diese Burgmentalität, andererseits kriegt man die auch nicht zu fassen.
    Die klassischen Rechtsschulen verdammen das alle, die 4 sunnitischen ebenso wie die shiitische. Aber dann gibt´s ja immer noch ein paar Randgruppen und deren „Gelehrte“ und wer meint, dass er denen folgen darf, den kann man schlecht von was anderem überzeugen, wenn man ihn überhaupt zu fassen bekommt.

    Ich hab nicht von einer Tradition gesprochen. Sondern davon, dass im Islam eine grundsätzliche Offenheit herrscht, über sexuelle Fragen zu sprechen und sich auch beraten zu lassen. Prophet Muhammed, s.a.s., hat darüber immer Auskunft gegeben, z.B. was in der Phase der Menstruation islamisch erlaubt ist und was nicht, muss man nach dem Geschlechtsverkehr sofort die rituelle Vollkörperreinigung vornehmen oder nicht, wie ist es mit dem Recht der Frau auf sexuelle Erfüllung usw.
    Und wenn man ihn nicht fragen mochte, dann waren seine Tochter und andere die Ansprechpersonen für die Frauen.

    Wenn ich heute eine Frage habe, die ich nicht anhand von Überlieferungen beantworten kann, auch meine Freundinnen nicht Bescheid wissen, dann kann ich meinen Gelehrten anschreiben, bzw. sein Büro und bekomme dann eine Antwort.

    Und es gibt eben unzählige Hinweise im Koran und vom Propheten, s.a.s., darauf, dass es gut ist zu heiraten. Wie bei den Katholiken ist ja außerehelicher Verkehr verboten.

    Allerdings gibt es kein Scheidungsverbot und beide Partner haben das Recht sich scheiden zu lassen, ein Grund dafür kann auch sein, dass sie sexuell nicht zusammenpassen.

    Heute hab ich übrigens einen Kommentar von Hans Küng gelesen, der ganz meiner Meinung war,🙂.
    OK, der ist nicht so beliebt bei der Kirche.

    Bei dem was jetzt zutage kommt, zeigt sich doch schon, wie sehr die Kirche, jedenfalls in der Vergangenheit, dazu geneigt hat, sich abzuschotten und ja nichts nach außen dringen zu lassen. Das ist ein Problem zu dem wohl alle Institutionen neigen, aber die Kirche hatte eben immer eine Machtposition. Dadurch sind sie wirklich einige Male sehr unprofessionell mit kriminellem Verhalten umgegangen.

    Was man machen kann? Ich denke, das muss in der Ausbildung ein Thema sein, auch angehende Priester zu sensibilisieren für evtl. Fehlverhalten von Kollegen. Und denen, die bei sich eine gefährliche Veranlagung feststellen, die Möglichkeit geben, sich an jemanden zu wenden und dafür zu sorgen, dass sie gar nicht erst in problematische Bereiche kommen. Und natürlich die Konsequenzen ziehen, wenn sich jemand an Schutzbefohlenen vergreift. Aber ich denke, das hat die Kirche kapiert.

    Man kann eben nicht so tun, als ob es bestimmte Verirrungen nicht gibt, bzw. in der Kirche nicht gibt.

    Ausgangsfrage war ja die Behauptung, dass die sog. sexuelle Revolution eine Mitschuld an diesen Verbrechen trägt und das kann man doch wirklich für die Kirche, die ja wohl der Ort ist, wo davon am wenigsten ankommt, nicht behaupten.

    Ich hab übrigens mal einen schwulen Kollegen kennengelernt, der seine Krankenpflegeausbildung als Novize bei den Alexianern gemacht hatte. Er ist ausgetreten, bevor er Gelübde abgelegt hatte. Jedenfalls hat er berichtet, wie sprachlos der Novizenmeister zu diesem Thema war.
    Wäre es nicht besser gewesen, man hätte darüber reden können und ihn beraten? Wäre so etwas nicht die Aufgabe eines „Ausbilders“?

  14. Servus,
    hab eben den Hirtenbrief des Papstes in unautorisierter Übersetzung gelesen: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/letters/2010/documents/hf_ben-xvi_let_20100319_church-ireland_ge.html

    Das gefällt mir. Vom seelsorgerischen mal abgesehen, der dringende Appell nichts zu vertuschen und mit den Behörden zusammenzuarbeiten.

    Dagegen waren die bayrischen Bischöfe sehr halbherzig. Dass sie so tun, als gäbe es eine Alternative zur Kooperation mit den Behörden, finde ich beschämend. Die Kirche kann sich, wie keine andere Institution, erlauben, ddie staatlichen Gesetze nicht zu beachten.
    Na, vielleicht erhalten sie ja auch noch ihren Hirtenbrief.

    Grüße von Meryem

  15. Sorry, aber juristisch gesehen ist mir keine einzige rechtskräftige Verurteilung im Zusammenhang mit den angeblichen oder tatsächlichen Missbrauchshandlungen oder was auch immer passiert sein soll bekannt. Im Unterschied zu säkularen Pädokriminellen gilt bei kirchlichen die Unschuldsvermutung ja offenkundig nicht.

    Da die Taten verjährt sind, kann die Staatsanwaltschaft auch nichts anderes machen als einen Eingangsvermerk auf die Akten zu stempeln und sie wieder zu schließen, weil ein Verfolgungshindernis vorliegt. Wo dabei irgendjemand „kooperieren“ soll, ist eine interessante Frage: Vielleicht soll der Vatikan ein paar Hilfskräfte abstellen, um die Akten durch die Säle zu tragen, damit der Staatsanwalt in Ruhe Tennis spielen kann?

    Der Hirtenbrief des Papstes ist also ein reiner Akt des Goodwill. Ich erwarte jetzt ähnliche öffentliche Äußerungen von Cohn-Bendit, der SchwuP, den Grünen, diversen Alt-68ern, der Odenwaldschule und der Humanistischen Union, die im Unterschied zur Kirche Kindesmissbrauch nie so pauschal verurteilt hatten, wie man es sich eigentlich als einem Mindestmaß an Werten verbundener Bürger erwarten könnte…

  16. Nun mal sachte, nech,🙂
    Gerade die üble Geschichte hier im Münchner Umland zeigt, dass sehr leichtfertig gehandelt wurde, als ein rechtskräftig verurteilter Prieser, dessen Therapeut mehrfach davor gewarnt hat, ihn mit Kindern arbeiten zu lassen, immer wieder in Gemeinden eingesetzt wurde. Und dann wieder auffällig wurde (mit Jugendlichen Pornos geguckt und onaniert) – was nur mit einer Versetzung geahndet wurde.

    So geht das nicht.

    Goodwill ist der Brief des Papstes ganz sicher nicht – das wäre auch zum Heulen. Ich finde er zeigt sehr deutlich die Trauer und das Entsetzen über diese Taten und fordert zu Veränderungen sowohl im Handeln was solche Verbrechen angeht, als auch Reue und vermehrten Gottesdienst.

    Es ist doch erstmal schnurzegal, was andere tun oder lassen. Das Argument „sollen doch die erstmal“ zählt nicht, weil jeder nur bei sich selber anfangen kann. Sonst ist das auf dem Niveau von „die Türken verfolgen ja auch die Christen, darum gibt´s hier keine Minarette“.

    Kein Gläubiger kann sein Handeln von dem anderer abhängig machen und der Papst hat das sehr wohl begriffen, im Gegensatz zu seinen Bischöfen hier, die erstmal darüber nachdenken müssen, ob sie mit der weltlichen Justiz kooperieren. Die Kirche steht aber nicht über dem Gesetz.
    Da wo was vorgefallen ist, muss geklärt werden ob strafrechtliche Verfolgung noch möglich ist und vor allem muss für die Zukunft vorgesorgt werden.

    Die Ettaler z.B. gehen da jetzt taugliche Wege, indem sie im Sinne von „Kinder stark machen“ agieren und schulen, wie man sich wehren kann. Und sie sind gar nicht begeistert von Solidaritätsbekundungen der Ehemaligen, die nur verteidigen wollen und nicht aufklären.

    Ich glaube, Du reagierst gerade mal etwas reflexartig. Ich hatte den Papst gelobt,🙂
    Übrigens hab ich nie bestritten, dass auch andere Institutionen zu Vertuschung neigen. Die katholische Kirche hat es nur perfektioniert, hatte ja auch Jahrhunderte Zeit dazu.

    Grüße von Meryem

  17. Der Vorwurf sexuellen Missbrauchs ist so schwerwiegend, dass es legitim ist, wenn sich die Kirche erst mal selbst ein Bild machen möchte. Meist ist es eine Situation, über die es zwei völlig unterschiedliche Darstellungen gibt. Und nicht selten werden – im Wissen um den Rufmordeffekt – Vorwürfe dieser Art benutzt, um unliebsame Lehrer, Priester o.ä. bewusst zu diskreditieren oder alte Rechnungen zu begleichen.

    Gerade wer die – so weit ich weiß auf Deinem Blog thematisierte – islamfeindliche Kampagne mit der angeblichen „Pädophilenhochzeit“ noch in Erinnerung hat, sollte die derzeitige pauschale Medienhetze gegen die Kirche vorsichtig und kritisch betrachten. Je spektakulärer ein Vorwurf ist (und neben der „Nazi“-Keule ist „pädophil“ ein ideales Tool, um bestmöglich gegen missliebige Personen zu emotionalisieren und die Neigung des Zielpublikums zum Hinterfragen zu vermindern), umso weniger muss er offenbar belegt werden.

    Dabei ist das mit den Prügel-Priestern ja auch ein ernstes Thema🙂

  18. Ja aber – so leicht darf man es sich nicht machen. Hier ist nicht nur eine „Kampagne“ im Gange sondern es kommen mehr und mehr Fälle zutage, die die Kirche ja gar nicht bestreitet. Heute beschrieb Herr Zollitsch selber, wie er nicht reagiert hat, als ein Priester unter seiner dienstlichen Verantwortung schweren sexuellen Missbrauch beging.
    Von der Kirche als große moralische Institution kann man doch wohl erwarten, dass sie im Hinblick auf anvertraute Personen besonders sensibel ist und das hat sie offensichtlich in der Vergangenheit versäumt und sich auch über das Gesetz gestellt – warum traut man denn den staatlichen Strafverfolgungsbehörden keine objektive Ermittlung zu? Hätte man Zweifel an deren Funktionsfähigkeit, müsste man als Kirche eine große gesellschaftliche Debatte darum initiieren und nicht versuchen, die Angelegenheiten selbst zu regeln, weder handelt es sich um Ermittler noch um psychiatrische Gutachter.

    Die Kirche ist wie gesagt damit nicht alleine, aber sie sollte sich besonders menschenfreundlich zeigen und nicht versteinert. Vielleicht ist diese Tragödie mal ein Anstoß sich von der Wagenburg-Mentalität zu verabschieden.

    Ach und wenn das Zölibat nebenbei abgeschafft wird freut mich das auch für die Priester, ihre heimlichen Frauen und ihre Kinder,🙂

    Grüße von Meryem

  19. Es geht nicht um Funktionsfähigkeit oder Funktionsunfähigkeit, sondern darum, dass eine Strafverfolgungsbehörde gar nicht befugt ist, in offenbar verjährten Fällen überhaupt zu ermitteln (wäre auch Steuergeldverschwendung). Da müsste es den „Opfern“ eben mal ein paar Jahre vor der Altersrente einfallen, dass sie irgendwann mal „missbraucht“ worden sein wollen.

    Und wenn der Zölibat fällt, könnten es sich möglicherweise auch Leute wie ich überlegen, vielleicht nicht als Quereinsteiger Priester zu werden. Ob das dann so wirklich im Sinne der Zölibatskritiker wäre, da habe ich meine Zweifel…🙂

  20. Grüß Gott,
    och ein paar Leute aus dem normalen Leben würden der Institution nicht schaden. Dann fang mal schon an die alten alten Sprachen zu lernen…

    Die Verjährungsfristen für sex. Missbrauch werden inschallah im Zuge der ganzen Geschichten mal verlängert. Ob Du es glaubst oder nicht: solche Dinge können einem wirklich erst sehr verspätet wieder einfallen, ich hab genug Erfahrung mit Traumapatienten. Das menschliche Gehirn geht so allerlei Wege, das zu verstecken um zu überleben.
    Wobei in diesen Fällen ein solcher Mechanismus allerdings in der Tat eher unwahrscheinlich ist, weil es sich ja um Jugendliche handelte. Und in der Regel nicht grobe Gewalt angewendet wurde, sondern andere unappetitliche Mechanismen.

    Grüße von Meryem

  21. Tja, Latein hatte ich schon 6 Jahre lang in der Schule. Drei Jahre davon mit einem – übrigens in jüngeren Jahren angeblich wegen Beziehungen mit Minderjährigen temporär suspendierten – Lehrer, der mehr gebrüllt als gesprochen hatte (was uns Schüler nur dazu anstachelte, ihn umso doller zu verarschen) und ein Jahr mit einem Lehrer, der die angeblich so fürchterlichen Missbrauchs- uns Prügelhölle des Stiftes Wilhering besucht hatte. Irgendwie wirkte er komischerweise immer quietschfidel und hatte stets irgendwelche lockeren Sprüche auf den Lippen…

    Mir ist schon klar, dass gewisse Dinge verdrängt werden können und dann irgendwann wieder zutage treten. Dass dies jedoch binnen kurzer Zeit bei mehreren Hundert Leuten passiert und zufällig gerade dann, wenn Fernsehkameras laufen… nee, also das kann mir keiner erzählen…

  22. Na dann fang mal Hebräisch an.

    Es ist ja auch ein Mechanismus, dass viele sich erst trauen zu reden, wenn mal ein Damm gebrochen ist. Und natürlich muss man dann aufpassen vor Überreaktionen.

    Das ganze Thema sex. Missbrauch ist ja bei uns erst seit den 70ern langsam ernst genommen worden. Ich habe einige betroffene Freundinnen und natürlich auch viele Patientinnen und auch Patienten erlebt.

    Und da gab es dann auch erstmal die „Welle“ (keine Wester-), dass derartig stümperhaft agiert wurde, jede Kindergärtnerin nach einem Wochenendkurs meinte diagnostizieren zu können – oh, das Kind hat einen Turm gemalt – eindeutig ein sexuelles Symbol – dass es ja auch
    haufenweise Vorverurteilungen und Irrtümer gab. Natürlich muss man aufpassen.
    Andererseits ist es eben auch wahrscheinlich, dass wenn jemand unter dem geschützten Kirchenmäntelchen agiert hat (oder in anderen Institutionen), es eben nicht bei einem Fall bleibt.

    Da kann man nicht einfach „weiter so“ sagen.

    Grüße von Meryem

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