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Türkische Schulen in Deutschland – eine Provokation!?

In Gesellschaft, Politik, Tagesgeschehen on April 17, 2010 at 11:37 am

Die Debatte rund um den Vorschlag des türkischen Premierministers Erdogan, die Möglichkeit zu schaffen, vom türkischen Staat finanzierte Schulen in Deutschland zu errichten, hatte bereits Anfang des Jahres die Gemüter erhitzt. Einen Debattenbeitrag auf dem befreundeten Blog des bekannten österreichischen Journalisten Andreas Unterberger möchte ich zum Anlass nehmen, hier einige Gedanken zu diesem Thema zu äußern, die sich – wie ich finde – gerade auch Konservative machen sollten, wenn sie an sich selbst den Anspruch stellen, keinen pawlowschen Reflexen zu folgen.  

Andreas Unterberger lehnt die Idee türkischer Schulen in deutschsprachigen Ländern ab und sieht darin einen weiteren Schritt zur Ghettobildung. Er befürchtet einen weiteren Aufschwung des türkischen Nationalismus, den eine Maßnahme dieser Art nach sich ziehen würde, verweist auf Äußerungen Erdogans, die eine Assimilation von Auslandstürken scharf verurteilen und bricht eine Lanze für die Verbesserung von Deutschkenntnissen der Zuwanderer sowie für Integration.

Kriminelle Jugendliche mit Migrationshintergrund haben im Regelfall öffentliche Zwangsschulen durchlaufen

Diese Position ist nachvollziehbar. Allerdings stellt sich die Frage, ob sie nicht zwei Problematiken vermengt, die nicht zwingend zusammenhängen. Denn ein Zusammenhang zwischen der Gründung einzelner, vom türkischen Staat oder Privatpersonen organisierter und vor allem finanzierter Privatschulen mit Ghettobildung, Unterschichtkultur oder Handys abzockenden Kulturbereicherern liegt bei genauerer Betrachtung nicht auf der Hand.

Goldkettchen-Prolls mit Migrationshintergrund stammen regelmäßig nicht aus jenen Schichten, die in der Lage wären, den Unterricht an Privatschulen zu bezahlen. Sie besuchen jene PISA- und Rütlischulen, die vom deutschen Staat unterhalten werden und in die Kinder durch den Schulzwang gezwungen werden, weil der Staat das ihm durch das Grundgesetz zugesicherte Recht zur Aufsicht über das Schulwesen dahingehend missversteht, Konkurrenz durch staatsunabhängige Privatschulen oder Homeschooling im Keim ersticken zu dürfen.

Wer das Rütlischulsystem ablehnt, wer das Vorgehen gegen Homeschooling-Eltern oder Christen, die sich der Untergrabung ihrer Erziehungsbemühungen durch das staatliche Schulwesen entgegenstellen, skandalös findet, wer einem sozialistischen Einheits-Bildungssystem und dem damit verbundenen Konformitätszwang gegensteuern möchte, muss in seinem Eintreten für Vielfalt, Privatinitiative und Bildungsfreiheit auch dort konsequent sein, wo es den eigenen Wünschen zuwiderläuft.

Wer christlichen Eltern das Recht einräumen möchte, ihre Kinder selbst zu bilden und zu diesem Zwecke Homeschooling zu organisieren oder eine konfessionell orientierte Schule zu betreiben, muss dieses Recht in einem Staat, der – wie es in den USA der Fall ist, wie man es aber auch aus dem deutschen Grundgesetz herauslesen kann – Religionen mit „wohlwollender Neutralität“ gegenübersteht, zB auch muslimischen oder atheistischen Eltern dieses Recht einräumen (wobei Atheisten, um die von ihnen behaupteten „Privilegien“ von Religionsgemeinschaften in Anspruch nehmen zu können, ja nur die Hosen runterlassen und sich selbst – wahrheitsgetreu – als Religionsgemeinschaft definieren müssten). Auch wohlwollende Neutralität ist Neutralität, von daher darf ein Staat über Religionen nicht jene Werturteile fällen, die Privatpersonen, Medienprojekte oder politische Parteien fällen dürfen.

Türkische Schüler mit Schuluniformen: Vom Rütlistandard vieler deutscher Schulen und von der dortigen Einstellung zu Leistung, Disziplin und Werten sind türkische Schulen oft – in durchaus positiver Weise – weit entfernt (Copyright: Emil Joseph Diemer)

Und wenn ein privater Träger (und da der türkische Staat zivilrechtlich gesehen in diesem Falle als privater Träger auftreten würde) mit dem Ziel eine türkische Schule betreiben möchte, Zuwanderern perspektivisch eine Zukunft im Land ihrer Väter zu ermöglichen, dann muss man ihm dieses Recht konsequenterweise auch zugestehen. Der deutsche Staat kann (und sollte auch) festlegen, dass Prüfungen, die zu staatlich anerkannten und zertifizierten Qualifikationen und Bildungsstandards führen, in deutscher Sprache (oder allenfalls noch englischer oder französischer, da dies die führenden EU-Amtssprachen sind) abzulegen sind. Und es darf eben kein Geld vom deutschen Staat zur Finanzierung oder zum Betrieb privater Schulen geben – im Gegenzug auch keine Einmischung in die Lehrpläne, sofern diese nicht Gesetzen widersprechen, die zur Aufrechterhaltung des inneren Friedens unabdingbar sind.

Durch Bildungsgutscheine (die im Unterschied zu Geldmitteln nicht in Zigaretten, Flachbildfernseher oder Alkohol umgesetzt werden können) sollte der Staat nur allen Eltern die gleiche Möglichkeit geben, ihren Kindern eine Ausbildung ihrer Wahl – an öffentlichen oder privaten Schulen bzw. im Wege des Homeschoolings – zu finanzieren.

Man kann Erdogan vieles zu Recht vorwerfen, insbesondere seine unsäglichen Ausfälle gegen Israel. Mit seinen Vorbehalten gegen Assimilationsforderungen an im Ausland lebende Landsleute ist er jedoch nicht von vornherein in schlechter Gesellschaft.

Auch Benjamin Netanyahu gilt zB als vehementer Befürworter von Anstrengungen, die verhindern sollen, dass Juden außerhalb Israels ihre kulturellen Wurzeln kappen und sich assimilieren. Wenn viele Konservative in unseren Breiten dies als Problem betrachten, ist das nicht unbedingt ein Ruhmesblatt. Einheitsgesellschaften erzwingen zu wollen, die auf Gleichmacherei setzen, ist etwas, was man eher von Sozialisten erwarten würde und auch diesen überlassen sollte. Auch in die Falle der Panikmache vor „Parallelgesellschaften“ sollte man nicht tappen. Die USA bestehen aus Hunderten und Tausenden “Parallelgesellschaften” und leben damit sehr gut.

Asoziale mit oder ohne Migrationshintergrund in die Schranken zu weisen, kompromisslos gegen die zunehmende Gewalt und Kriminalität unter Jugendlichen vorzugehen, steht auf einer anderen Agenda. Auch dieses Problem ist in nicht geringem Maße hausgemacht, da die 68er-Generation durch die Zersetzung traditioneller Werte und deren Umwertung eine Gesellschaft geschaffen haben, die Zugewanderte zu allem anderen als zu einer Integration einlädt. Und wenn Richter Riehe und Konsorten brutalste Gewalttäter mit Ermahnungen davonkommen lassen und gleichzeitig der Bevölkerung durch immer schärfere Waffengesetze die Möglichkeit genommen wird, sich selbst gegen Kriminelle zu wehren, dann wird offenbar, dass die Zustände in vielen deutschen Städten nicht wirklich etwas mit der Frage türkischer Schulen in Deutschland zu tun hat.

  1. Welchen Sinn sollten türkische Privatschulen in Deutschland haben? Die in Frage kommenden Kinder sind in aller Regel intelligent, fleißig, dizipliniert und gut erzogen. Die Eltern solcher Kinder haben sich in den allermeisten Fällen vorbildlich integriert, so daß dem Besuch eines guten Gymnasiums oder einer deutschen konfessionsungebundenen Privatschule nichts entgegenstehen dürfte. Der Punkt ist, daß hier „türkische Schulen“ gesagt und „islamische Schulen“ gemeint wird. Die Umsetzung solcher Pläne wäre ein weiterer Schritt ind Rictung dre Aufgabe unserer kulturellen Identität.

  2. Inwieweit dort überhaupt der Islam ein tragende Rolle spielen würde, erscheint mir ungewiss. Wenn ich die Idee richtig verstanden habe, würde der türkische Staat entweder selbst als Betreiber auftreten oder hinter dem Privatrechtssubjekt (eine Stiftung oder was auch immer) stehen, das solche Schulen betreiben würde. Und der türkische Staat ist ja als solcher – unabhängig davon, dass derzeit eine stärker am Islam ausgerichtete Partei an der Regierung sitzt – von der Verfassung her strikt laizistisch. Sollten eines Tages die Bakschischparteien rund um Ecevit etc. wieder ans Ruder kommen, hätten automatisch die wieder die Personalhoheit, Aufsicht über Lehrpläne etc.

    Der Sinn dieser Schulen dürfte aus Sicht des türkischen Staates sein, Persönlichkeiten zu requirieren, die aus türkischen Familien kommen, ihren türkischen Wurzeln verbunden sind, leistungsorientiert sind und als potenzielle Eliten sowohl in Deutschland als auch in der Türkei eine Perspektive hätten.

    Ich habe weniger ein Problem damit, dass es türkische Schulen wären, allenfalls damit, dass ein Staat dahintersteckt. Allerdings ist es ja auch hier die Regel, dass der Staat sich in zu weitgehender Weise in Erziehung und Ausbildung einmischt – auch bei Privatschulen (von Homeschooling gar nicht erst zu reden). Warum soll dann nicht auch ein fremder Staat als Betreiber von ihm selbst finanzierter Privatschulen auftreten?

  3. Weil damit ein Problem verstärkt werden würde: gut ausgebildete junge Türken würden dadurch noch weniger als bisher mit Deutschland und der deutschen Kultur und Lebensweise verwurzelt sein als bisher. Die Folge wäre sehr wahrscheinlich ein vermehrter Wegzug dieser Gruppe in die Türkei. Lediglich der „Bodensatz“ würde in Deutschland bleiben, weil – sagen wir es ganz klar – die Sozialleistungen wesentlich besser als in der Türkei sind. Wir brauchen hier aber leistungsbereite und disziplinierte junge Menschen, gerne auch Türken. Daher halte ich die Einrichtung türkischer Privatschulen für kontraproduktiv.

  4. Ich verstehe Dein Argument. Andererseits: Wenn wir zu doof sind, um – ob für Autochthone oder Zugewanderte – ein Bildungssystem jenseits eines einheitssozialistischen PISA-Niveaus auf die Beine zu stellen bzw. mit dem Gesocks fertig zu werden, mit welchem Recht wollen wir dann die Türken in der Türkei daran hindern, von dort aus in Eigenregie hier die Leistungsorientierten zu fördern?

    Wenn wir die lernwilligen Türkischstämmigen hier halten wollen, müssten wir uns dann eben überlegen, wie wir ihnen ein Angebot machen können, das besser ist – damit sie nicht auf die türkische Schule gehen, sondern auf unsere…

  5. Nur mal nebenbei: Du wendest dich in deinen Bloggrundsätzen unter anderem gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Der verlinkte Blog von Unterberger wiederum empfiehlt Politically Incorrect, ein rassistisches und fremdenfeindliches Blog par excellence.

    Inwieweit soll man deine Bloggrundsätze denn Ernst nehmen?

  6. Ich selbst verlinke PI nicht und ich habe hier auch schon mehrfach Kritik an Beiträgen und Kommentaren auf PI geübt.

    Für die Blogroll von anderen fühle ich mich um ehrlich zu sein wirklich nicht zuständig. Andreas Unterberger hat übrigens auf Grund meines Hinweises auf rassistische Inhalte bereits „Dolomitengeist“ aus seiner Blogroll genommen.

    Andreas Unterberger war übrigens langjähriger Chefredakteur europaweit angesehener Tageszeitungen. Ich sehe alleine schon deshalb keinerlei Anlass, ihn einer fremdenfeindlichen oder rassistischen Gesinnung zu verdächtigen.

  7. Wer auf PI verlinkt, macht sich des Rassismus schwer verdächtig, ob er langjähriger Chefredakteur war oder nicht.

  8. Dann sprechen Sie ihn am Besten selbst darauf an. In dieser Hinsicht bin ich nun wirklich nicht der Hüter meines zwar nicht Bruders, aber Bloggerkollegen.

  9. Da haben Sie natürlich recht. Dieser Unterberger, das ist erschreckend, der bekommt Zuspruch ohne Ende, und das für einen unglaublichen Müll. Das ist wohl nur in Österreich möglich. Dort sind die Nazis in der Tat in der Mitte angekommen.

  10. Oder aber, Deutschland geht wieder mal einen Sonderweg, indem sich die „Mitte“ immer dorthin verschiebt, wo 20 Jahren vorher noch die radikale Linke angesiedelt wurde. Dann ist es klar, dass unter jedem Gullydeckel ein Nazi vermutet wird. Ob es aber objektiv so ist, steht auf einem anderen Blatt.

    Tatsache ist, dass das, was Sie – offenbar im Einklang mit nicht wenigen anderen Leuten in Deutschland – in gedankliche „Nazi“-Nähe rücken, nicht nur in Österreich, sondern auch in der Schweiz, in den USA, in Israel, in Ungarn, in Polen, in Spanien, in Italien und einer weiteren Reihe demokratischer westlicher Staaten als „Mitte“ betrachtet wird. Alles also nur eine Frage des Blickwinkels.

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